In einer überraschenden Mitteilung haben Visa Inc. und einer der Mitbegründer von Tether angekündigt, gemeinsam ein Netzwerk von sogenannten On‑Chain‑Banken zu etablieren. Ziel sei es, ein robustes Zahlungs‑ und Settlement‑Framework zu schaffen, das stabile Kryptowährungen als primäres Transaktionsmedium für Menschen ohne traditionellen Bankzugang nutzt.

Hintergründe

Die Initiative, intern als „Project Atlas“ bezeichnet, soll laut einer internen Mitteilung von Visa zunächst in drei Pilotregionen – Südostasien, Subsahara‑Afrika und Lateinamerika – ausgerollt werden. Abbildung 3 des internen Whitepapers zeigt ein mehrschichtiges Architekturdiagramm, das sowohl Layer‑2‑Scaling‑Lösungen als auch dezentrale Identitätsverifizierung integriert. Ein anonymer Marktanalyst, der über Bloomberg Terminal Zugang zu den strategischen Dokumenten habe, bestätigte, dass Visa die Infrastruktur über seine bereits bestehenden „Visa Direct“-APIs einbinden wolle, während Tether die notwendige Liquidität in Form von USDT bereitstelle.

Der rationale Kern dieses Vorhabens liegt in der Annahme, dass stabile Coins, insbesondere USDT, die Volatilität traditioneller Krypto‑Assets überwinden und gleichzeitig die Transaktionskosten gegenüber herkömmlichen Remittance‑Dienstleistern reduzieren können. Ein Finanzministerium‑Mitarbeiter, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass die Bundesregierung die Initiative als potenziell strategisch für die finanzielle Inklusion bewertet, warnt jedoch vor möglichen Geldwäsche‑Risiken.

Reaktionen aus dem In‑ und Ausland

Internationale Regulierungsbehörden haben bereits erste Stellungnahmen veröffentlicht. Die US‑Finanzbehörde OCC äußerte Bedenken hinsichtlich der Kreditwürdigkeitsprüfung bei On‑Chain‑Krediten, während die Europäische Zentralbank (EZB) ein offenes Schreiben an die Europäische Kommission gerichtet habe, das die Notwendigkeit einer einheitlichen Rechtsgrundlage für Stable‑Coin‑Banken fordert. Ein leitender Analyst von Goldman Sachs, der anonym bleiben möchte, prognostizierte, dass das Projekt „bis 2028 einen adressierbaren Markt von über 1,2 Billionen US‑Dollar erreichen könnte, vorausgesetzt, regulatorische Hürden werden adressiert.“

Auf der anderen Seite kritisieren Krypto‑Pioniere die Zusammenarbeit mit einem etablierten Zahlungssystem als potenziellen „Co‑Opting‑Effekt“, der die Dezentralisierung gefährde. Ein Entwickler aus dem Open‑Source‑Projekt “Decentral Bank” erklärte, dass die Integration von Visa‑APIs das Risiko einer zentralen Fehlfunktion erhöhe, da das Netzwerk nun von einem einzigen Knotenpunkt abhängig sei.

Ausblick

Prognosen gehen von einer zweijährigen Implementierungsphase aus, in der Visa und Tether ihre jeweiligen Technologie‑Stacks anpassen müssen. Derzeit wird ein Referenz‑Modell für die Compliance‑Schicht entwickelt, das KYC‑ und AML‑Protokolle automatisch in Smart‑Contracts einbettet. Sollte die Pilotphase erfolgreich verlaufen, könnte das Modell als Vorlage für weitere Kooperationen zwischen etablierten Zahlungsnetzwerken und Krypto‑Unternehmen dienen.

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