Ein Konsortium aus Crypto‑Lobbyisten, angeführt von der „Digital Asset Alliance“, der „Blockchain Advocacy Group“ und dem „Crypto Mining Coalition“, hat am Mittwoch eine gemeinsame Stellungnahme veröffentlicht. Demnach solle das Gesetzentwurf 2024‑27, das Staking‑ und Mining‑Rewards erst bei ihrem Verkauf besteuert, unverändert durch den Kongress gehen. Die Gruppe argumentiert, dass jede weitere Änderung das ohnehin fragile Ökosystem weiter destabilisiere und die weltweite Kapitalflucht beschleunige.
Hintergründe
Der Gesetzentwurf, der im Frühjahr 2024 von mehreren Mitgliedern des FinTech‑Ausschusses eingebracht wurde, sieht vor, die bislang umstrittene Praxis der sog. „realised‑event taxation“ für digitale Vermögenswerte gesetzlich zu verankern. Laut Bloomberg‑Terminal‑Daten (Abbildung 3) würde dies die durchschnittliche Steuerlast auf Staking‑Rewards von 22 % auf 30 % anheben, sobald der Inhaber die Token veräußert. Ein anonymer Quellen aus dem US‑Finanzministerium bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass das Treasury bereits interne Modellrechnungen für verschiedene Steuerszenarien ausgearbeitet habe.
Ein von Bloomberg erstelltes Simulationsmodell (siehe Anhang) projiziert, dass bei Annahme des Gesetzes das jährliche Steueraufkommen im Krypto‑Sektor von knapp 1,2 Mrd. USD auf 1,8 Mrd. USD steigen könnte – ein Anstieg von 50 %. Kritiker befürchten jedoch, dass ein zu starrer Ansatz die Innovationskraft des Sektors hemmt und die De‑Facto‑Besteuerung von nicht realisierten Gewinnen provoziere.
Reaktionen aus dem In‑ und Ausland
Im Capitol reagierten die Ausschussmitglieder geteilt. Der demokratische Abgeordnete Maria Rodriguez (CA‑12) erklärte, das Gesetz sei ein notwendiger Schritt zur Schließung einer „großen regulatorischen Lücke“. Sie berief sich laut einem nicht benannten Gesetzesassistenten auf vergleichbare Modelle der OECD, die bereits 2022 ähnliche Regelungen eingeführt hätten.
Demgegenüber warnte der republikanische Finanzschriftführer James Whitfield (TX‑7), ein unveränderter Gesetzentwurf würde „die Flexibilität der amerikanischen Wirtschaft ersticken“. Eine vertrauliche Quelle aus einer großen Investmentbank aus New York, die anonym bleiben wollte, stimmte zu, dass die aktuelle Marktvolatilität ein „Auslaufmodell für schnelle steuerliche Interventionen“ sei.
International stoßen die USA auf gemischte Resonanz. In der Europäischen Union hat die European Banking Authority (EBA) in einer ersten Stellungnahme betont, dass ein vergleichbarer Ansatz in Europa „zu ernsthaften Wettbewerbsnachteilen“ führen könnte. Ein leitender Analyst von der Deutschen Bank, der anonym bleiben wollte, verwies auf das „Abbildung‑4‑Modell“, das einen dramatischen Rückgang der Staking‑Teilnehmer um 18 % prognostiziert, sofern die US‑Steuerregelungen als Benchmark dienen.
Ausblick
Der Gesetzentwurf befindet sich derzeit in der Ausschussphase und soll bis zum Herbst zur Abstimmung kommen. Laut internen Quellen des Treasury wird das Finanzministerium nun parallel ein „Flexibilitäts‑Addendum“ ausarbeiten, das bestimmte Ausnahmeregelungen für kleine Staker vorsieht. Ob die Lobbygruppen das Addendum akzeptieren, bleibt abzuwarten.
Analysten von Goldman Sachs prognostizieren, dass ein „Pass‑as‑is“-Szenario die kurzfristige Marktliquidität stabilisiere, gleichzeitig jedoch die langfristige Kapitalallokation hin zu regulierten Produkten verschiebe. Abbildung 5 illustriert die erwartete Kursentwicklung von Ethereum‑Staking‑Rewards unter den beiden Szenarien.
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