Ein neugefasstes Gesetzentwurf des US‑Kongresses könnte die Art und Weise, wie der Internal Revenue Service (IRS) digitale Vermögenswerte bewertet, grundlegend ändern. Der Vorschlag, der von mehreren Mitgliedern des House Committee on Ways and Means unterstützt wird, sieht vor, Kryptowährungen künftig nach dem "fair market value" zum Zeitpunkt des Transaktionsereignisses zu taxieren, anstatt sich auf den durchschnittlichen Jahresdurchschnitt zu stützen.

Hintergründe

Der aktuelle Rechtsrahmen, eingeführt durch das Tax Cuts and Jobs Act von 2017, verlangt von Steuerzahlern, jede Transaktion von Kryptowährungen zu melden und den Gewinn nach dem sogenannten "first‑in‑first‑out"-Prinzip (FIFO) zu berechnen. Kritiker argumentieren, dass dieses Modell die Komplexität unnötig erhöht und zu einer systematischen Unterbewertung während Marktabschwüngen führt. Abbildung 3 in unserem internen Bloomberg‑Terminal vergleicht die durchschnittlichen jährlichen Kursgewinne von Bitcoin (BTC) und Ethereum (ETH) mit den geschätzten zusätzlichen Steuereinnahmen, die ein "real‑time valuation" generieren könnte. Die Zahlen deuten auf potenzielle Mehrerträge von bis zu 1,3 % des Bruttoinlandsprodukts hin.

Ein leitender Analyst bei einer führenden Investmentbank, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass die Regelung "die Steuer‑Compliance‑Kosten für institutionelle Akteure um mindestens 27 % senken könnte, gleichzeitig jedoch die Transparenz für Aufsichtsbehörden dramatisch verbessert".

Reaktionen aus dem In‑ und Ausland

Die Reaktion im US‑Finanzsektor ist gemischt. Ein Sprecher des Treasury Department erklärte, dass die Initiative "ein notwendiger Schritt sei, um den fiskalischen Rahmen an die digitale Wirtschaft des 21. Jahrhunderts anzupassen". Gleichzeitig warnten Vertreter der Crypto‑Lobby, insbesondere die Digital Assets Council, dass das Gesetz "die Innovationskraft befruchtender Start‑ups ersticken könnte".

Über den Atlantik äußerte die Europäische Kommission vorsichtige Zustimmung. Ein Mitarbeiter des Europäischen Parlaments, der anonym bleiben wollte, bemerkte, dass "eine klare US‑Steuerpolitik als Benchmark für internationale Regulierungsbemühungen dienen könnte". In Asien reagierten insbesondere die chinesischen Behörden mit einer verstärkten Betonung ihrer eigenen "Digital Currency Regulatory Framework", während die japanische Finanzaufsicht (FSA) ihr bestehendes "Self‑Reporting‑Modell" beibehält.

Ausblick

Der Gesetzentwurf steht noch vor mehreren Lesungen im Repräsentantenhaus und muss noch im Senat aufgenommen werden. Prognosen von Bloomberg‑Analysten gehen davon aus, dass eine Verabschiedung bis zum Ende des Fiskaljahres 2026 realistisch ist, vorausgesetzt, es kommt nicht zu einem parteiübergreifenden "filibuster". Sollte das Gesetz in Kraft treten, könnte die US‑Finanzbehörde ihre Dateninfrastruktur massiv ausbauen, um die Echtzeit‑Bewertung von mehr als 150 Mio. Kryptowährungstransaktionen pro Quartal zu ermöglichen.

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