Washington hat in der Iran-Krise eine neue rhetorische Dimension erreicht. In einer ungewöhnlich direkten Stellungnahme am späten Dienstagabend (Ortszeit) sprach US-Präsident Donald Trump von der Möglichkeit, dass „heute Nacht eine ganze Zivilisation untergehen“ werde. Die Aussage, die in einem Tweet und in gleichlautenden mündlichen Erklärungen erfolgte, wurde von Beobachtern als deutliche Eskalation der bereits angespannten Lage gewertet. Gleichzeitig kursierten inarabischen Medien und via Social Media erste, noch nicht unabhängig verifizierbare Berichte über massive Detonationen auf der iranischen Insel Charg (Kharg) im Persischen Golf, einer der wichtigsten Öl-Exportanlagen des Landes.

Hintergründe

Die Drohung des Präsidenten reiht sich ein in eine Serie zunehm Provokationen der letzten Wochen. „Die Sprache hat sich deutlich verschärft“, bestätigt ein Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrates, der anonym bleiben wollte, gegenüber dieser Redaktion. „Der Präsident spricht nicht mehr von Sanktionen oder begrenzten Schlägen, sondern von existenziellen Konsequenzen.“ Nach Einschätzung von Experten des German Marshall Fund, die mit der Washingtoner Administration vertraut sind, zielt die Formulierung bewusst auf eine maximale psychologische Wirkung ab – und weniger auf eine präzise militärische Beschreibung. „Wenn man von einer ‚Zivilisation‘ spricht, meint man ideell das gesamte iranische System, nicht zwangsläufig die physische Bevölkerung“, so die Analyse. Dass der zeitliche Hinweis „heute Nacht“ folgte, kurz nachdem erste Berichte über Vorkommnisse auf Charg auftauchten, sei dabei „von bemerkenswerter Synchronizität“, so der Experte.

Die strategische Bedeutung der Insel Charg, etwa 25 Kilometer vor der iranischen Küste gelegen, kann kaum überschätzt werden. Sie beherbergt die zentralen Tankerterminals für den iranischen Öl-Export und ist damit eine der empfindlichsten infrastrukturellen Adern des Regimes. Ein längerfristiger Ausfall hätte nach Berechnungen des Oil & Gas Journal existenzielle Folgen für den iranischen Staatshaushalt. Ob die gemeldeten Explosionen auf ein technisches Unglück, einen Sabotageakt oder einen ersten militärischen Vorgang zurückzuführen sind, ließ sich zunächst nicht klären. Die iranische Nachrichtenagentur IRNA dementierte am frühen Morgen (MEZ) jeden Vorfall und sprach von „feindlicher Propaganda“.

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Die Reaktionen aus Europa sind von tiefer Besorgnis geprägt. „Eine derartige Vokabeldramaturgie ist brandgefährlich“, sagte ein hochrangiger Diplomat einer EU-Vertretung in Washington unter der Bedingung, nicht namentlich genannt zu werden. „Sie reduziert komplexe geopolitischen Fragen auf ein apokalyptisches Narrativ und lässt keinerlei Raum für Deeskalation.“ Ähnlich äußerte sich der französische Außenministeriumssprecher in Paris, der „die verbale Hyperbole“ scharf kritisierte und zu „sofortiger Zurückhaltung“ mahnte.

In Moskau wurde die Äußerung Trumps als „inakzeptabel“ und „H