Seoul – Die südkoreanische Börse KOSDAQ hat mit sofortiger Wirkung neue Auflagen für Unternehmen verabschiedet, die als digitale Asset‑Treasury (DAT) klassifiziert sind. Die sogenannten Retentions‑Limits beschränken den Anteil von Bitcoin‑Beständen auf maximal fünf Prozent des Bilanzwerts. Für mehrere börsennotierte Firmen, deren Geschäftsmodell auf dem Halten und Verwalten von Kryptowährungen beruht, bedeutet dies ein existenzielles Risiko: ein automatischer Delisting bei Unterschreitung der Schwelle.

Hintergründe

Die Reform, die am 1. Juli in Kraft tritt, ist das Ergebnis einer dreijährigen Überprüfung des KOSDAQ‑Regulierungsrahmens, initiiert von der Financial Services Commission (FSC). Ziel sei es, „systemische Risiken zu mindern und die Transparenz für Anleger zu erhöhen“, erklärte ein Sprecher der FSC in einem vertraulichen Interview. In der Praxis bedeutet die Vorgabe jedoch, dass Unternehmen wie CoinVault Korea oder BlockBridge Holdings, die bislang bis zu 30 % ihrer Bilanz in Bitcoin hielten, ihre Portfolios abrupt umstrukturieren müssen.

Abbildung 3 eines internen Bloomberg‑Terminal‑Reports zeigt, dass die durchschnittliche Bitcoin‑Exposure südkoreanischer DAT‑Firmen im letzten Quartal bei 22 % lag – deutlich über der neuen Schwelle. Der Bericht warnt, dass ein sofortiger Rückverkauf zu „signifikanten Preisimpulsen“ führen könnte, die die bereits volatilen Märkte zusätzlich belasten.

Reaktionen aus dem In- und Ausland

„Wir sehen die Maßnahme als überzogen, jedoch nachvollziehbar im Kontext globaler Regulierungswellen“, kommentierte ein leitender Analyst von Goldman Sachs, der anonym bleiben wollte. „Die kurzfristige Marktvolatilität wird wahrscheinlich hoch sein, aber langfristig könnte das Vertrauen institutioneller Investoren gestärkt werden.“

Ein Mitarbeiter des südkoreanischen Finanzministeriums, der ebenfalls anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass die Behörden bereits Gespräche mit betroffenen Unternehmen führen, um „ordentliche Übergangsfristen“ zu gewährleisten.

International wurde die Reform ebenso diskutiert. In Hongkong hieß es von einem Vertreter der Securities and Futures Commission, dass „die Klarheit, die Südkorea schafft, ein Vorbild für andere asiatische Märkte sein könnte.“ Im Gegensatz dazu kritisierte ein Sprecher der US‑SEC, dass die Regelung „zu restriktiv sei und Innovationen im Krypto‑Sektor behindere“.

Ausblick

Marktbeobachter rechnen damit, dass die ersten Delistings bereits im August erfolgen könnten, sofern Unternehmen die Retentions‑Grenze nicht einhalten. Der Bloomberg‑Index für südkoreanische Krypto‑Aktien verzeichnete bereits einen Rückgang von 4,3 % seit Bekanntgabe der Regelung.

Einige Experten spekulieren über mögliche Gegenmaßnahmen: die Einführung von „Hybrid‑Treasury‑Modellen“, bei denen ein Teil der Krypto‑Bestände in tokenisierte Schuldverschreibungen umgewandelt wird, um regulatorischen Vorgaben zu genügen, ohne das Kernbusiness zu gefährden.

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