Die südkoreanische Finanzaufsichtsbehörde (Financial Services Commission – FSC) hat in einem umfassenden Reformplan die Infrastruktur für Token‑Securities verankert. Der Beschluss, der heute in einer zweistündigen Sitzungsperiode verkündet wurde, umfasst neben schnelleren Abwicklungsprozessen auch die Ausdehnung der Handelszeiten um bis zu vier Stunden und die Implementierung einer landesweiten digitalen Infrastruktur für Finanzmarktteilnehmer.
Hintergründe
Der Schritt folgt einer langjährigen Strategie der FSC, das Land als Vorreiter in der Tokenisierung von Vermögenswerten zu positionieren. Laut einer internen Studie, zu der die Redaktion unberechtigten Zugang erhalten hat, sollen Token‑Securities bis 2028 rund 12 % des börsennotierten Handelsvolumens ausmachen. Abbildung 3 des internen Papers illustriert die erwartete Volumenkurve in einem logarithmischen Diagramm, das die exponentielle Wachstumsrate von 34 % pro Quartal prognostiziert.
„Wir schaffen ein regulatorisches Ökosystem, das die Friktionen zwischen traditionellen Wertpapieren und dezentralen Finanzinstrumenten eliminiert“, erklärte ein Sprecher der FSC, der anonym bleiben wollte. Ein leitender Analyst von Goldman Sachs, der ebenfalls anonym blieb, bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass das Modell „eine hybride Brücke zwischen Clearance‑House‑Systemen und Distributed‑Ledger‑Technologie darstellt, die bis zu einer Sechstel‑Reduktion der Settlement‑Kosten führen könnte“.
Reaktionen aus dem In‑ und Ausland
Die Ankündigung löste sofortige Kursbewegungen im südkoreanischen KOSPI aus: Der Index schloss den Handelstag mit einem Plus von 0,7 %. In den Schatten des Wall Street Journal wurde ein Analyst von Morgan Stanley zitiert, der die Maßnahme als „strategische Platzierung im globalen Wettlauf um digitale Kapitalmarktinfrastruktur“ bezeichnete.
Ein Mitarbeiter des Finanzministeriums, der anonym bleiben wollte, bestätigte, dass die Regierung bereits Finanzmittel in Höhe von 1,2 Mrd. USD für den Aufbau einer nationalen Token‑Clearing‑Plattform bereitgestellt hat. Parallel dazu äußerten Vertreter der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) Bedenken hinsichtlich der Interoperabilität mit bestehenden EU‑Regelungen, während die chinesische Börsenaufsicht die Entwicklung als „potenzielle Marktverzerrung“ einordnete.
Ausblick
Analysten rechnen damit, dass die ersten Token‑Security‑Emissionen im vierten Quartal 2024 an der KOSPI gelistet werden. Die FSC beabsichtigt, bis 2026 ein vollständig integriertes Settlement‑System auf Basis von Hyperledger Fabric zu betreiben, das sowohl traditionelle als auch tokenisierte Wertpapiere in Echtzeit verarbeiten kann.
Ob die ambitionierten Zielvorgaben erreicht werden, hängt wesentlich von der Akzeptanz seitens der institutionellen Investoren ab. Ein leitender Manager von BlackRock, der sich ebenfalls anonym äußerte, betonte, dass „die Risikobewertung von Token‑Securities noch in den Kinderschuhen steckt“ und ein vorsichtiger Einstieg nötig sei.
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