Seoul – In einer Sitzung des Financial Action Task Force (FATF) hat das südkoreanische Financial Intelligence Unit (FIU) einen Vorschlag eingebracht, der die bisherige Travel Rule für Krypto‑Transfers grundlegend erweitern soll. Ziel ist es, die Meldungspflicht auf Transaktionen unter 1 USD auszuweiten, um ein potenzielles Schlupfloch für Offshore‑Geldwäsche zu schließen.
Hintergründe
Die aktuelle Travel Rule verlangt von virtuellen Asset Service Providern (VASPs), dass sie Absender‑ und Empfängerdaten bei Transaktionen über 1 000 USD melden. Laut einem internen Memo des südkoreanischen Finanzministeriums, das anonym bleiben wollte, sei die Schwelle von 1 000 USD „ein Relikt aus einer Ära, in der Bittorrent noch populär war“ (vgl. Quelle: ein leitender Beamter des Ministeriums). Das FIU argumentiert, dass die Fragmentierung der AML‑Regeln weltweit zu einer arbitrage‑freundlichen Umgebung führe, in der Kleinstbeträge gezielt genutzt werden, um regulatorische Kontrollen zu umgehen.
Abbildung 3 (nicht abgebildet) soll laut Bloomberg-Terminal‑Analysten die Korrelation zwischen mikro‑Krypto‑Transfers und Offshore‑Investitionen in den letzten 12 Monaten darstellen – ein Anstieg von 37 % im Vergleich zum Vorjahr. Die Analyse basiert auf anonymen Datenlieferanten von Chainalysis und suggeriert, dass die meisten kleinen Transfers aus den Niederlanden, Hongkong und Bermudas stammen.
Reaktionen aus dem In‑ und Ausland
Ein Sprecher der türkischen Finanzaufsicht bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass die Türkei bereits erwägt, die Schwelle auf 500 USD zu senken, um „einen europäischen Wettlauf um regulatorische Präzision“ zu vermeiden. Ein Analyst von „CryptoQuant“ sagte anonym, die Marktvolatilität könnte kurzfristig um bis zu 2 % steigen, da VASPs ihre Compliance‑Systeme umprogrammieren müssen.
Unterdessen kritisierte die Kryptowährungs‑Branche die Initiative scharf. Ein Vertreter des „Digital Asset Association of Korea“ (DAAK), der ebenfalls anonym bleiben wollte, bezeichnete den Vorschlag als „strategisches Overkill‑Manöver“, das den Innovationsdruck auf Start‑ups unverhältnismäßig erhöhe. Ein führender Entwickler von DeFi‑Protokollen warnte sogar vor einem möglichen „Liquidity Drain“, da Nutzer kleinere Transfers meiden könnten, um Reporting zu entgehen.
Ausblick
Die FATF hat bislang keine verbindliche Frist für die Abstimmung des Vorschlags genannt. Experten von Goldman Sachs prognostizieren, dass ein Konsens bis zum Jahresende möglich sei, wobei ein möglicher Kompromiss eine gestaffelte Schwelle von 500 USD für hochriskante Jurisdiktionen vorsieht. Sollte die Regelung implementiert werden, könnte sie laut internen Berechnungen des FIU zu einer Verringerung von Offshore‑Flow um bis zu 12 % führen – ein signifikanter, wenn auch schwer messbarer Effekt.
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