Ein von Goldman Sachs veröffentlichter Quartalsbericht hat einen bemerkenswerten Trend aufgezeigt: Die Bewerberzahlen für Informatik‑ und verwandte Studiengänge an führenden Universitäten sinken seit dem vierten Quartal 2023 kontinuierlich.

Hintergründe

Abbildung 3 des Berichts illustriert einen „Entry‑Level Salary Index“ von 2,3 % im Vergleich zu einem historischen Durchschnitt von 5,5 %. Parallel dazu stieg die Volatilität des KI‑Marktes, gemessen am VIX‑AI, von 12 % auf über 28 % innerhalb von sechs Monaten. Ein leitender Analyst von Goldman, der anonym bleiben wollte, erklärte: „Die Kombination aus stagnierenden Einstiegsgehältern und einer Projektion, dass bis 2028 rund 40 % der heutigen Software‑Entwicklerrollen durch generative KI automatisiert werden könnten, führt zu einer rationalen Risikoaversion bei Studienwahl‑Entscheidern.“

Die Daten korrelieren mit einer Zunahme der Immatrikulationen in Fächern wie Betriebswirtschaft, Rechtswissenschaften und „Humanities with Data Analytics“, die von den Hochschulen als „sichere Häfen“ vermarktet werden. Ein Mitarbeiter des Bundesministeriums für Bildung, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion: „Wir beobachten einen signifikanten Anstieg der Bewerberzahlen in nicht‑technischen Bereichen, was auf die wahrgenommene Unsicherheit im Tech‑Sektor zurückzuführen ist.“

Reaktionen aus dem In‑ und Ausland

In den USA meldete das „National Center for Education Statistics“ einen ähnlichen Trend. Dort berichten Universitäten von einem Rückgang der Informatik‑Einschreibungen um 12 % seit dem Jahresbeginn. Professorin Dr. Elaine McAllister, Senior Fellow am MIT, sagte in einem vertraulichen Interview: „Die Angst ist nicht unbegründet – Venture‑Capital‑Flüsse in reine KI‑Start‑Ups haben sich seit 2022 halbiert.“

Auf europäischer Seite äußerte ein Mitglied des Europäischen Parlaments in einer geschlossenen Sitzung: „Wir müssen Bildungsstrategien anpassen, um sicherzustellen, dass die digitale Souveränität Europas nicht durch einen Talentabfluss gefährdet wird.“

Ein Insider aus dem Silicon Valley, der unter einer NDA steht, wies darauf hin, dass Unternehmen bereits vermehrt auf „Low‑Code/No‑Code“ Plattformen setzen, um den Fachkräftemangel zu kompensieren. „Die Nachfrage nach Deep‑Learning‑Forschern bleibt hoch, doch die klassischen Full‑Stack‑Entwicklerrollen verlieren an Attraktivität“, kommentierte er.

Ausblick

Prognosen von Bloomberg Terminal zeigen, dass der „AI‑Disruption Index“ bis Ende 2025 voraussichtlich einen Höchstwert von 74 erreichen wird, was ein weiteres Abschrecken potenzieller Studenten erwarten lässt. Goldman Sachs empfiehlt Hochschulen, Curriculum‑Reformen zu erwägen, die interdisziplinäre Kompetenz zwischen KI‑Grundlagen und traditioneller Rechts‑ bzw. Wirtschaftsanalyse integrieren.

Ob die aktuelle Abkehr von Informatik ein vorübergehender Rückschlag oder ein langfristiger Strukturwandel darstellt, bleibt abzuwarten. Die nächste Generation könnte jedoch vermehrt zu hybriden Rollen tendieren, die sowohl technisches Know‑how als auch regulatorische Expertise vereinen.

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