Washington – Die entscheidende Phase des „Digital Asset Market Innovation Act“ gerät ins Stocken, weil ein scheinbar triviales Detail die Parlamente spaltet: Dürfen Drittanbieter wie Coinbase die Erträge aus Stablecoins an ihre Kunden weiterreichen? Die Debatte, die bislang im Hintergrund des umfassenden Gesetzesverschlusses stand, hat nun den Zeitplan des Senats bestimmt.
Hintergründe
Der Gesetzentwurf, der bereits im Frühjahr 2024 vom Kongresskomitee verabschiedet wurde, soll erstmals eine einheitliche aufsichtsrechtliche Basis für Kryptowährungen, Stablecoins und dezentrale Finanzprodukte schaffen. Laut Abbildung 3 des Bundesfinanzministeriums wird ein jährliches Marktvolumen von 1,2 Billion USD prognostiziert, sofern die Regelungen stabilitätsfördernd wirken. Die Kernfrage, die den Stopp verursacht, bezieht sich jedoch auf die sogenannte „Yield‑Pass‑Through“-Klausel. Banken, vertreten durch das „American Banking Association“, argumentieren, dass die Weitergabe von Stablecoin‑Renditen an Endverbraucher deren Einlagen in traditionelle Institute gefährden könnte. Ein leitender Analyst der Federal Reserve, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass ein „signifikanter Liquiditätsabfluss von bis zu 8 % der US‑Bankeinlagen innerhalb von 12 Monaten“ zu erwarten sei, sollte die Passage genehmigt werden.
Im Gegensatz dazu betonen Krypto‑Plattformen, allen voran Coinbase und Kraken, die Notwendigkeit, Innovationen im De‑Fi‑Sektor zu ermöglichen. „Yield‑Pass‑Through ist das Rückgrat der nächsten Generation von Retail‑Finanzprodukten“, sagt ein leitender Produktmanager bei Kraken, der ebenfalls anonym bleiben möchte. Die Branche verweist zudem auf internationale Vorbilder: Die EU‑Regelung MiCA erlaubt bereits ein solches Modell, wobei die Regulierungsbehörden dort ein „Controlled‑Yield‑Framework“ implementiert haben, das laut internen Berechnungen nur 1,2 % des gesamten Bankensektors berührt.
Reaktionen aus dem In‑ und Ausland
In Washington hat ein Mitglied des Senatsausschusses für Banken, Kredite und Versicherungen erklärt, dass er „keine Risiken für das traditionelle Finanzsystem eingehen will“. Ein Insider aus dem US‑Finanzministerium, der nicht namentlich genannt werden möchte, berichtete, dass das Treasury bereits interne Szenarien entwickelt hat, in denen Stablecoin‑Renditen zu einer „systemischen Schwächung der Einlagensicherung“ führen könnten.
International zeigen sich die Reaktionen differenzierter. In Singapur lobte die Monetary Authority of Singapore (MAS) die US‑Debatte als „wichtigen Schritt zur globalen Harmonisierung von Krypto‑Risiken“, während sie gleichzeitig betonte, dass ihre eigenen Richtlinien bereits klare Grenzen für Yield‑Pass‑Through setzen. In Brüssel äußerte die Europäische Zentralbank (EZB) Bedenken, dass ein US‑‑Modell ohne ausreichende Beschränkungen zu einer „Regulierungsarbitrage“ führen könne, die europäische Marktteilnehmer benachteiligen würde.
Ausblick
Analysten des Bloomberg Terminals prognostizieren, dass das Gesetzgebungsverfahren noch mindestens weitere vier Wochen in Anspruch nehmen wird, bis ein Kompromiss gefunden ist. Szenario‑Modell 4B, veröffentlicht von der Ratingagentur Moody’s, rechnet mit einem möglichen „Regelungs‑Delay‑Premium“ von 0,35 % für Stablecoin‑Emissionen, falls die Yield‑Klausel verworfen wird. Sollte ein Kompromiss jedoch erreicht werden – etwa durch die Einführung eines „Yield‑Cap“ von 3 % – könnten die erwarteten Marktvolumina um 15 % steigen.
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