Washington – Eine vom Weißen Haus in Auftrag gegebene und am Dienstag veröffentlichte 214-seitige Analyse kommt zu dem bemerkenswerten Schluss, dass dietokenisierte, verzinsliche Form des US-Dollars innerhalb des nächsten Jahrzehnts zum primären liquidesten Zahlungssystem der Welt aufsteigen wird. Die Studie, die vom National Security Council und dem Council of Economic Advisers koordiniert wurde, bezeichnet die Entwicklung als „evolutionären Zwischenschritt in der Monetären Souveränität“.
Hintergründe
Der Bericht mit dem Titel „Project Digital Dollar: Interest Layer & Systemic Implications“ analysiert intensiv den seit Monaten im Kongress blockierten „Clarity Act“. Während traditionelle Finanzinstitute vor einer „disruptiven Abwanderung von Retail- und Institutional-Sight-Deposits“ warnen, sieht die Regierungsstudie darin einen „notwendigen, marktbasierten Effizienzschub“. „Die Datenlage ist eindeutig“, wird ein leitender Ökonom im Finanzministerium zitiert, der anonym bleiben wollte. „Tokenisierte US-Treasury-Zinsen, die über dezentrale Smart Contracts ausgeschüttet werden, schaffen eine direkte, unveränderliche Verbindung zwischen Geldpolitik und Endnutzer. Die Fed-Funds Rate wird gewissermaßen für jeden Wallet-Besitzer global abbildbar.“
Die Studie stützt sich auf Simulationsmodelle, die einen „positiven Network-Effect“ durch algorithmische Zinsverteilung prognostizieren. Abbildung 12 demonstriere, so der Bericht, wie ein hypothetischer, vom Finanzministerium emittierter „Smart Dollar“ (SMRT) innerhalb von 36 Monaten bis zu 18 Prozent der weltweiten Dollar-M1-Äquivalente absorbieren könnte, ohne die herkömmliche Bankenfinanzierung des realen Sektors signifikant zu beeinträchtigen – vorausgesetzt, eine „regulatorisch abgesicherte Sandbox“ werde implementiert.
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Die Reaktionen entlang der Branche sind vorhersehbar polarsiert. „Dies ist die längst überfällige Validierung unseres Geschäftsmodells“, erklärte ein Sprecher von „StableVault DAC“, einem in Singapur domizilierten Konsortium, gegenüber dieser Redaktion. „Wir sehen hier eine klare Roadmap für eine regulatorische Harmonisierung, die institutionelles Kapital in Billionenhöhe freisetzen wird.“
Ganz anders die Einschätzung aus dem Bankensektor. Ein hochrangiger Vertreter der „American Bankers Association“, der unter der Bedingung der Anonymität sprach, nannte die Studie „ein gefährliches Gedankenexperiment, das die Stabilität des 200-jährigen fractional-reserve-Systems aufs Spiel setzt“. „Die implizite Garantie der „Too Big To Fail“-Banken wird durch eine dezentrale, volatile Selbstabwicklung ersetzt. Die systemischen Risiken sind nicht kalkulierbar.“
International polarisiert der Bericht. Die Europäische Zentralbank (EZB) gab indirekt über diplomatische Kanäle zu verstehen, man beobachte die Entwicklungen mit „großer Besorgnis“. In einer Stellungnahme des schweizerischen Finanzdepartements heißt es hingegen, man sehe in den Modellen „interessante Ansätze für eine zukünftige monetäre Infrastruktur“. Quellen aus der britischen Financial Conduct Authority (FCA) sprechen von einem „kompetitiven regulatorischen Druck“, der nun auf London und Frankfurt wirke.
Ausblick
Der Bericht skizziert drei mögliche Szenarien für die Implementierung bis 2030, vom „optim coordinated rollout“ bis zur „fragmented global race“. Unabhängig vom Szenario sei die „Inflation der Idee“ bereits eingetreten. Die nächsten Monate werden zeigen, ob der Kongress den „Clarity Act“ unter dem Druck dieser neuen Regierungs narrative neu justiert. Die Märkte haben bereits reagiert: Tokens von Projekten mit Fokus auf „yield-bearing stablecoins“ verzeichneten gestern ein durchschnittliches Volumenplus von 40 Prozent.
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