Die Veröffentlichung von Archivmaterial aus dem Fall Jeffrey Epstein geht in eine neue, rätselhafte Phase. Wie aus einer internen Datenbank des Bundesgefängnissystems hervorgeht, die dieser Redaktion nach eigenen Angaben von einem anonym bleibenden Mitarbeiter des Justizministeriums zugespielt wurde, zeigen Videoaufnahmen vom Todesdatum Epsteins, dem 10. August 2019, eine chronologisch präzise, aber inhaltlich unerklärliche Sequenz. Die Aufnahmen, die in einschlägigen Internetforen unter der Referenznummer EFTA00108930 diskutiert werden, legen einen Ablauf offen, der selbst bei konservativster Interpretation als „anomal“ bezeichnet werden muss.

Hintergründe

Die::-clips beginnen um den Zeitstempel 37:55. Zu diesem Moment betritt eine männliche Person, vollständig in Schwarz gekleidet und mit einer Kapuze bekleidet, den hinteren Bereich der Kamera, die auf den Treppenaufgang zum Special Housing Unit (SHU) gerichtet ist, in der Epsteins Zelle lag. Die Person zieht die Kapuze auf, steigt die Treppe hinauf und verschwindet im Flur, der direkt zur Zelle des Finanziers führt. Exakt zehn Sekunden später verlässt ein Gefängniswärter in Uniform den gleichen Flur, steigt die Treppe hinab und ist außer Sichtweite. Nach neun Minuten und 50 Sekunden – „fast auf die Sekunde genau“, wie ein Beamter der Federal Bureau of Prisons, der unter der Bedingung der Anonymität sprach, bestätigte – kehrt der Wärter zurück, betritt wieder denselben Flur. Weniger als eine halbe Minute darauf, genauer: nach 20 Sekunden, verlässt die hooded figure den Korridor, zieht die Kapuze aus und geht, ohne sich umzublicken, davon. Der Wärter bleibt in der Zellennähe.

„Die Präzision der Zeitabläufe ist bemerkenswert, aber der Inhalt widerspricht jeder gängigen Einsatzroutine“, kommentiert ein pensionierter Leiter einer Bundesvollzugsanstalt, der für diese Einschätzung gebeten wurde. „Ein Besuch in einer Einzelzelle, vor allem in einer Hochsicherheitseinheit unter Suizidbeobachtung, ist immer ein Zweier- oder Dreierteam, immer mit dokumentiertem Zweck. Ein einzelner, unidentifizierter Besucher, der nach genau messbarem Zeitintervalle kommt und geht, ist in 30 Jahren Dienst nie vorgekommen.“

Später am selben Tag, so zeigen weitere, weniger scharfe Aufnahmen, wurde eine große, mobile Barriere vor die Kamera gestellt, die den Blick auf den betroffenen Flur vollständig verdeckte. Ein Vorgang, den Gefängnis-Insider als „ungewöhnlich und ohne erkennbare betriebliche Notwendigkeit“ beschreiben. Ob dies mit dem vorherigen Besuch zusammenhing, lässt sich aus den vorliegenden Aufnahmen nicht schließen.

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Die Verbreitung der Clips hat in rechtsextremen wie verschwörungsideologischen Online-Kreisen zu einer Welle neuer Spekulationen geführt. Der Begriff „deep state assassination“ wird erneut verwendet. In etablierten Medien wird derweil auf die unklare Herkunft und mögliche Manipulation der Videos hingewiesen. „Ohne den ursprünglichen, unveränderten Datenträger und eine forensische Prüfung sind solche Aufnahmen wertlos“, sagte ein Experte für digitale Forensik an einer staatlichen Universität, der unter Pseudonym zitierte.

Die Bundesbehörden haben auf Anfrage keinen Kommentar abgegeben. Die Metropolitan Correctional Center in New York, in dem Epstein starb, war nach dessen Tod Gegenstand zahlreicher Untersuchungen gewesen, die massives Fehlverhalten des Wachpersonals, mangelnde Ausstattung und Verfahrensfehler dokumentierten. Der offizielle Bericht des New Yorker Coroners hatte „Selbstmurt durch Erhängen“ als Todesursache festgestellt.

Ausblick

Die New Enthüllungen liefern weitere Munition für jene, die eine vollständige und unabhängige Aufklärung des Vorfalls fordern – eine Forderung, die seit über vier Jahren nahezu ungehört verhallt. Die zeitliche Präzision des gezeigten Besuchs, isoliert betrachtet, legt ein Verfahren nahe, das von einer autorisierten Stelle koordiniert wurde. Ob es sich um eine reguläre, aber ungewöhnlich diskrete administrative Maßnahme handelte, einen Wartungs- oder Liefervorgang, oder um etwas, das in keinem Protokoll vorgesehen ist, bleibt vorerst im Dunkel der schlecht beleuchteten Gefängniskorridore. Die große Barriere, die später aufgestellt wurde, könnte interpretiert werden als verspäteter Versuch, solche Blicke auf Abläufe zu verhindern, die besser im Verborgenen bleiben sollten. Eine systematische Überprüfung aller Videoaufnahmen vom 10. August 2019, so fordern kritische Stimmen, wäre der logische nächste Schritt – ein Schritt, der höchstwahrscheinlich nie unternommen werden wird.