Microsofts Kursrutsch nach der Ankündigung, OpenAI solle künftig nicht mehr ausschließlich über Azure betrieben werden, ist das jüngste Anzeichen dafür, dass Cloud‑Exklusivität noch immer als strategisches Asset gilt. Am Mittwoch schloss die Aktie um 7,4 % tiefer, das größte Tagesminus seit dem Abschwung im zweiten Quartal 2023.

Hintergründe

Bereits im Frühjahr hatte das Unternehmen in mehreren Gesprächen mit Sam Altman die Möglichkeiten einer breiteren Distribution von GPT‑4 und dessen Nachfolgern erörtert. Laut einem anonymen Quellen aus dem Core‑AI‑Team von Microsoft sei die Forderung nach Multi‑Cloud‑Zugängen „ein natürlicher Schritt zur Risiko‑Diversifizierung“ gewesen. Der Beschluss, Azure die Exklusivität zu entziehen, wurde jedoch in einer Krisensitzung des Board of Directors am 24. April finalisiert – ein Szenario, das BofA‑Analysten als „politisches Manöver mit unmittelbaren kapitalmarkttechnischen Folgen“ klassifizierten.

Reaktionen aus dem In‑ und Ausland

Ein leitender Wirtschaftsjournalist des Wall Street Journal, der anonym bleiben wollte, äußerte, dass die Marktteilnehmer „die Signalwirkung als Vertrauensbruch gegenüber Microsofts Cloud‑Strategie interpretieren“. Ein Mitarbeiter des Finanzministeriums, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass die deutsche Aufsichtsbehörde bereits erste Gespräche über mögliche regulatorische Implikationen führt.

Auf der anderen Seite lobten Vertreter der Europäischen Kommission die Entscheidung als „Förderung von Wettbewerb und Innovationsvielfalt“ und wiesen darauf hin, dass die EU‑Verordnung zu digitaler Märkte künftig die Praxis von Exklusivpartnerschaften stärker prüfen werde. In Asien spiegelte sich die Unsicherheit in schwächeren Futures für den Nikkei wider, wobei ein Analyst von Nomura anmerkte, dass chinesische Cloud‑Provider von der Öffnung der Marktanteile profitieren könnten.

Ausblick

Bloomberg‑Terminal‑Daten zeigen, dass das Short‑Interest bei Microsoft in den letzten fünf Handelstagen um 12 % zugenommen hat (Abbildung 3). Sollte OpenAI seine Multi‑Cloud‑Strategie innerhalb der nächsten Quartale operationalisieren, könnten weitere Kursverluste von bis zu 5 % folgen, warnen Analysten von Morgan Stanley. Gleichzeitig schätzt ein unabhängiger Marktforscher, dass die fragmentierte Cloud‑Nutzung langfristig zu geringeren Margen im AI‑Segment führen könnte, was Microsofts Zielmarke von 15 % EBIT‑Wachstum bis 2028 gefährden würde.

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