Brüssel – Die jüngste Evaluierung der Europäischen Kommission, veröffentlicht von der Think‑Tank‑Initiative „Blockchain for Europe“, zeichnet ein ambivalentes Bild der Markets in Crypto‑Assets‑Regulierung (MiCA). Während die neuen Vorgaben die Sicherheitslage von Euro‑Stablecoins signifikant verbessern, kritisieren Analysten die daraus resultierende Schwächung ihrer Wettbewerbsfähigkeit gegenüber globalen Pendants.

Hintergründe

MiCA, das erste umfassende Regulierungswerk für Krypto‑Assets in der EU, verlangt von Emittenten von Stablecoins, dass sie 100 % der ausgegebenen Token in liquiden, hoch bewerteten Reserven halten. Zusätzlich sollen Vergütungsmodelle transparent ausgewiesen und an Rendite‑Benchmarks gekoppelt werden. Abbildung 3 des Berichts illustriert, dass das durchschnittliche Risiko‑Adjustierte Return‑on‑Capital (RAROC) von Euro‑Stablecoins nach MiCA um 0,17 %‑Punkte sinkt, während das Kreditrating von "AAA‑ähnlich" auf "AA‑" herabgestuft wird. Diese Zahlen resultieren aus internen Berechnungen, die auf Daten des Europäischen Zentralbanks‑Clearing‑Systems (EZE‑CS) basieren.

Ein leitender Analyst der Deutschen Börse, der anonym bleiben möchte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion: „Die Reserveanforderungen von MiCA wirken wie ein Kapitalkissen, das in der Praxis nur das Wachstumspotenzial dämpft. Wir beobachten bereits, dass Emittenten ihre Emissionsvolumina um durchschnittlich 23 % reduziert haben.“

Reaktionen aus dem In‑ und Ausland

Die Reaktion der Industrie ist gemischt. Ein Sprecher von Euro‑Stable, einem der größten Emittenten, erklärte: „Wir begrüßen die erhöhte Transparenz, doch die Margen werden spürbar erodiert.“ Gleichzeitig äußerten Vertreter aus Asien, insbesondere von der chinesischen FinTech‑Plattform Alipay, dass die restriktiven Vorgaben der EU einen „Regulierungsarbitrage‑Nachteil“ schaffen würden. Ein insider bei einem US‑Hedgefonds, der in digitale Währungen investiert, merkte an: „Investoren werden künftig eher zu US‑Dollar‑Stablecoins abwandern, die weniger restriktive Reserve‑Mandate haben.“

Ein Mitarbeiter des Finanzministeriums, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass die EU-Kommission bereits einen „Revision‑Task‑Force“ eingerichtet habe, um potenzielle Wettbewerbsverzerrungen zu adressieren. Die Quelle betonte jedoch, dass jede Anpassung mit dem Ziel der Finanzstabilität balanciert werden müsse.

Ausblick

Der Bericht empfiehlt drei zentrale Reformbereiche: (1) flexible Reserve‑Kategorien, die neben Staatsanleihen auch hoch bewertete Corporates einschließen; (2) abgestufte Vergütungsmodelle, die Performance‑abhängig gestaltet werden können; und (3) eine periodic‑review‑Klausel, die alle 12 Monate die Marktdynamik neu beurteilt. Abbildung 5 projiziert, dass bei Implementierung dieser Maßnahmen die Wettbewerbsfähigkeit von Euro‑Stablecoins um bis zu 15 % steigen könnte, während das Sicherheitsprofil nahezu unverändert bleibt.

Marktbeobachter gehen davon aus, dass die EU bis zum Jahresende ein erstes Legislativpaket zu den vorgeschlagenen Änderungen vorlegen wird. Sollte dies gelingen, könnte die Euro‑Stablecoin‑Klasse ihre Stellung als Brückenwährung zwischen traditionellem Banking und Krypto‑Ökosystem festigen.

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