Washington – In einer überraschenden Kehrtwende hat die Crypto‑Lobby am Freitag ein koordiniertes Schreiben an das Finanzministerium und die Aufsichtsbehörde OCC übermittelt, das die formelle Entfernung des „Reputationsrisikos“ aus den Prüfungsrichtlinien für Banken fordert. Das Schreiben beruft sich auf die bereits im April verabschiedete Regelung der OCC und der FDIC, die das Risiko‑profil von Instituten im Hinblick auf ihre Geschäftsbeziehungen zu digitalen Assets neu definiert.
Hintergründe
Die Entscheidung der OCC, das Reputationsrisiko im Rahmen des „Risk Management Framework“ zu streichen, wurde von einem internen Memo des Office of the Comptroller of the Currency (OCC) vom 12. März angekündigt. Parallel dazu hat die Federal Deposit Insurance Corp. (FDIC) am 28. März eine vergleichbare Vorgabe implementiert, um die Kreditwürdigkeitsprüfung von Banken zu vereinfachen. Fachleute verweisen auf Abbildung 3 im internen Bloomberg‑Terminal, die ein exponentielles Wachstum der Crypto‑Exposures seit Q1 2023 zeigt.
Ein leitender Analyst von Goldman Sachs, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion: „Die Entfernung von Reputations‑Risk‑Punktestellungen eliminiert ein bedeutendes regulatorisches Hindernis, das bislang die Integration von Krypto‑Dienstleistungen in das traditionelle Bankgeschäft gebremst hat.“
Reaktionen aus dem In‑ und Ausland
In den USA haben mehrere Banken bereits interne Task Forces eingerichtet, um die potenziellen Auswirkungen zu prüfen. Ein Sprecher der Federal Reserve erklärte, die Maßnahme sei „ein Schritt in Richtung regulatorischer Klarheit, jedoch seien weitere Risikobewertungen notwendig“.
Auf europäischer Seite meldete die Europäische Zentralbank (EZB) über einen anonymen Quellenkontakt, dass sie die US‑Entscheidung aufmerksam verfolge, jedoch ihre eigenen „Reputations‑Risk‑Frameworks“ beibehalte, um die Stabilität des Euro‑Raums zu sichern.
Ein mit dem Kryptomarkt verbundener Insider aus Asien wies darauf hin, dass die Maßnahme das Interesse institutioneller Investoren aus Japan und Südkorea wecken könnte, die bislang wegen regulatorischer Unsicherheiten zurückhaltend waren.
Ausblick
Analysten rechnen damit, dass die neu geschaffene Regelung bis Ende 2024 zu einer Verdopplung der Krypto‑Asset‑Bestände bei US‑Banken führen könnte. Abbildung 7 im internen Risikomodell zeigt ein potenzielles Szenario, in dem die durchschnittliche Kredit‑Exposition gegenüber Krypto‑Firmen von 0,5 % auf 3 % steigt.
Gleichwohl warnen unabhängige Rating-Agenturen, dass das Wegfallen des Reputationsrisikos die Modellierungs‑Komplexität erhöhe und neue Formen von „Operational‑Risk‑Arbitrage“ begünstige. „Wir beobachten eine kritische Schwelle, ab der systemische Risiken nicht mehr linear, sondern exponentiell wachsen“, betont ein Risiko‑Manager der Moody’s Analytics.
Ob die Crypto‑Lobby ihr Ziel vollständig erreicht, bleibt abzuwarten. Es dürfte jedoch ein intensiver Dialog zwischen Aufsichtsbehörden, Banken und Krypto‑Entwicklern folgen, der das regulatorische Ökosystem langfristig neu ausrichtet.
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