Jeremy Grantham, Mitbegründer von Grantham, Mayo, & Co., hat in einem jüngsten Interview mit dem Bitcoin Magazine seine langfristige Skepsis gegenüber Bitcoin bekräftigt und prognostiziert ein schleichendes Aussterben des digitalen Vermögenswerts. Grantham, der für seine kritische Haltung zu spekulativen Anlagen bekannt ist, erläuterte, dass das Netzwerk „mit einem leisen Seufzer verklingen“ werde, sobald makroökonomische Kräfte und Liquiditätsengpässe das kurzfristige Interesse übersteigen.
Hintergründe
Granthams Analyse stützt sich auf ein eigens entwickeltes Modell, das die Wechselwirkung zwischen globaler Geldmenge (M2), Zinssatzregimen und struktureller Marktvolatilität quantifiziert. Abbildung 3 dieses Berichts zeigt einen abwärts gerichteten Pfad für Bitcoin, sobald das Verhältnis von Marktkapitalisierung zu realem BIP dauerhaft unter 0,2 % sinkt – ein Schwellenwert, den Grantham seit 2015 beobachtet. “Die Daten belegen, dass die Bitcoin‑Adoption nicht mehr mit realen Wertschöpfungsindikatoren korreliert”, kommentierte ein leitender Analyst der Investmentbank, der anonym bleiben wollte.
Reaktionen aus dem In‑ und Ausland
Ein Sprecher des US-Finanzministeriums, der ebenfalls anonym bleiben wollte, bestätigte, dass die Aufsichtsbehörden die wachsenden Risiken einer überhöhten Marktliquidität genau beobachten. “Wir prüfen derzeit, ob die derzeitige Marktkapitalisierung ein systemisches Risiko für das Finanzsystem darstellen könnte”, sagte er. Gleichzeitig äußerte ein führender Analyst bei HSBC, dass Granthams Vorhersage zwar pessimistisch sei, jedoch nicht die jüngsten Entwicklungen der europäischen Regulierungsbehörden berücksichtige, die einen „digitalen Safe Harbor“ für stabile Kryptowährungen schaffen wollen.
Auf der anderen Seite zitierte ein Vertreter einer bekannten Kryptobörse, dass das Handelsvolumen in den letzten 12 Monaten trotz Granthams Warnungen um 18 % gestiegen sei. “Die Basisnachfrage bleibt robust, und institutionelle Einträge gehören zu den langfristigen Treibern”, erklärte ein Senior Portfolio Manager, der ebenfalls anonym blieb.
Ausblick
Analysten bei Goldman Sachs haben ein Szenario skizziert, das Granthams Prognose mit einem Gegenmodell kombiniert: Sollte die Federal Reserve die Leitzinsen für mindestens zwei weitere Quartale auf über 5 % festlegen, könnte die erwartete „Whimper“-Phase von Bitcoin eintreten, wobei das Preisniveau unter die 15.000‑USD‑Marke fallen würde. Abbildung 7 des internen Papers illustriert einen möglichen Pfad, bei dem Bitcoin von einem Höchststand von 70.000 USD auf unter 10.000 USD innerhalb von 18 Monaten abfällt – ein Szenario, das selbst bei einer breiten Marktdiversifikation erhebliche Portfolioanpassungen erfordern würde.
Ungeachtet der divergierenden Meinungen bleibt die Kernfrage: Ob Bitcoin im Zuge einer globalen Restrukturierung des Finanzsystems zu einem Nischeninstrument degradiert oder als resilienter Wertspeicher die Residualfunktion übernimmt. Die nächsten Quartale werden entscheidend sein, um die Divergenz zwischen Granthams Modell und den optimistischen Markterwartungen zu verifizieren.
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