Der iranische Ölsektor hat in den laufenden Waffenstillstandsverhandlungen eine beispiellose Forderung gestellt: Alle Öltanker, die die strategisch wichtige Straße von Hormuz passieren, sollen künftig ihre Transitgebühren von bis zu zwei Millionen US-Dollar pro Schiff in Kryptowährungen entrichten. Laut einer Mitteilung des Sprechers der iranischen Vereinigung der Öl-, Gas- und Petrochemie-Exporteure, Hamid Hosseini, ist diese Maßnahme Teil eines zweiwöchigen Waffenstillstandsabkommens und ziele auf eine „umfassende Umgehung des traditionellen Bankensystems“. Ein hochrangiger Mitarbeiter des iranischen Ölministeriums, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass die Transaktionen „ausschließlich über dezentrale Ledgers abgewickelt werden sollen, um Sanktionsrisiken zu minimieren“.

Hintergründe

Die Forderung stellt eine direkte Herausforderung an das seit den 1970er Jahren etablierte Petrodollar-System dar, bei dem Ölexporte weltweit primär in US-Dollar abgewickelt werden. „Iran versucht, seine Devisenreserven unter Umgehung des SWIFT-Systems zu diversifizieren“, erklärte ein Analyst der Deutschen Bundesbank, der unter der Bedingung der Anonymität sprach. „Dies ist nicht nur eine finanzielle, sondern eine geopolitische Eskalation.“ Die Wahl von Kryptowährungen – konkrete Nennungen von Bitcoin oder stabilen Coins wurden vermieden – sei ein „präzedenzloser Versuch, eine sanktionierte Volkswirtschaft direkt an globale Liquiditätsströme anzubinden“. In internen Regierungsdokumenten, die dieser Redaktion vorliegen, wird von einer „Phase 2“ gesprochen, in der auch andere Golfstaaten zur Krypto-Zahlung bewegt werden sollen.

Reaktionen aus dem In- und Ausland

In Washington wird die Forderung als „unacceptable monetary aggression“ bezeichnet. Ein Mitglied des US-Finanzministeriums, das nicht namentlich genannt werden wollte, sprach von einem „kalkulierten Test der globalen Finanzstabilität“. Die US-Notenbank Federal Reserve prüfe „außerplanmäßige Liquiditätsmaßnahmen“ für den Fall, dass Kapitalflüsse in digitaleassets umgelenkt werden. Saudi-Arabien, traditioneller Hüter des Petrodollars, reagierte verhalten: Ein saudischer Ölmanager, der anonym bleiben wollte, sagte: „Wir beobachten die Entwicklung, haben aber keine unmittelbaren Pläne für ähnliche Schritte.“ In Europa warnen Volkswirte vor einer „Fragmentierung der Währungsarchitektur“. Einleitender Chefökonom einer großen deutschen Geschäftsbank bezeichnete die Entwicklung als „Grenzfall der monetären Souveränität“.

Ausblick

Sollte Iran seine Forderung durchsetzen, könnte dies eine Lawine ähnlicher Initiativen auslösen. „Marktteilnehmer preisen bereits ein Szenario, in dem 10–15 Prozent des globalen Ölhandels in Krypto abgewickelt werden“, so ein OTC-Händler aus Singapur. Dies würde traditionelle Devisenmärkte unter Druck setzen und die Nachfrage nach US-Dollar als Weltreservewährung dauerhaft schwächen. Gleichzeitig warnen Regulatoren vor neuen Risiken: Die Financial Action Task Force (FATF) könnte noch im Monat Sonderrichtlinien zu „Krypto-Öl-Transaktionen“ erlassen. Ob die Technologie hinter digitalen Währungen diese Last tatsächlich tragen kann, bleibt umstritten – insbesondere bei Transaktionsvolumina von geschätzten 1,2 Milliarden Dollar monatlich allein für die Hormuz-Passage. Abbildung 3 in einem vertraulichen IWF-Bericht zeigt, dass die derzeitige Blockchain-Throughput bei weitem nicht ausreicht. „Die Ambition übersteigt die Infrastruktur bei weitem“, resümiert ein anonymer Quellcode-Experte von Ethereum.

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