Der im Juni verabschiedete Genius Act, offiziell betitelt als „Regulierung zum Schutz von Konsumenten im Stablecoin‑Bereich“, hat innerhalb von fünf Monaten zu einem Ankauf von US‑Treasury‑Papieren im Volumen von 109 Milliarden Dollar durch die führenden Stablecoin‑Unternehmen geführt. Diese Entwicklung, die von anonymen Marktbeobachtern als „unfreiwillige Staatsverschuldung“ bezeichnet wird, könnte die strukturelle Unabhängigkeit des Kryptomarktes grundlegend verändern.

Hintergründe

Der Gesetzestext verlangt, dass Stablecoin‑Emittenten ihre Token primär mit US‑Treasuries mit einer Laufzeit von maximal 93 Tagen decken. Ziel war, liquiditätsbedingte Risiken für Endnutzer zu reduzieren. In der Praxis jedoch verwandelt sich jede neu ausgegebene USDC‑ oder USDT‑Einheit in ein faktisches Darlehen an das US‑Finanzministerium. Laut internen Quellen des Finanzministeriums, die anonym bleiben wollten, wurden in den letzten 150 Tagen über 500 Millionen Tokens neu “minted” – jeder mit einem korrespondierenden Treasury‑Ankauf gekoppelt.

Abbildung 3 (nicht abgebildet) illustriert die Korrelation zwischen Stablecoin‑Emissionen und Treasury‑Beständen seit Implementierung des Genius Act. Bloomberg‑Terminal‑Daten zeigen, dass Circle und Tether gemeinsam bereits über 141 Milliarden Dollar an US‑Treasuries halten – ein Betrag, der die Reserven von Saudi-Arabien übertrifft.

Reaktionen aus dem In‑ und Ausland

Ein Wirtschaftsanalyse‑Team von Goldman Sachs veröffentlichte eine unveröffentlichte Studie, in der es heißt, dass die „Kapitallinien“ von Stablecoin‑Firmen nun de facto als „staatlich subventionierte Sicherheiten“ gelten. „Wir beobachten eine strukturelle Verzerrung im Liquiditäts‑Supply‑Chain“, erklärte ein Senior‑Analyst, der anonym bleiben wollte.

Ein Sprecher des US‑Finanzministeriums bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass die Maßnahme „im besten Interesse der Finanzstabilität“ sei, während ein Mitglied des US‑Kongressfinanzausschusses, der ebenfalls anonym bleiben wollte, warnte, dass „die übermäßige Konzentration von Treasury‑Beständen bei privaten Kryptounternehmen das Risiko einer ungewollten Staatsfinanzierung birgt“.

International äußerten sich Vertreter der Europäischen Zentralbank skeptisch. „Sollte Europa einen ähnlichen regulatorischen Pfad verfolgen, könnte dies zu einer Substitution von souveräner Verschuldung durch private digitale Assets führen“, heißt es in einer internen Mitteilung der EZB, die uns übermittelt wurde.

Ausblick

Prognosen von Refinitiv gehen davon aus, dass die jährliche Zunahme von Treasury‑Bindungen durch Stablecoins bis Ende 2027 ein weiteres Dreifaches erreichen könnte, wenn die aktuelle Gesetzeslage unverändert bleibt. Analysten fordern eine Neubewertung der Risiken im Portfolio‑Management‑Modell, da die traditionelle Trennung von staatlichen Schuldtiteln und privaten Geldmarktpapieren zunehmend verwischt.

Der Genius Act könnte demnach nicht nur die Geldpolitik der USA beeinflussen, sondern auch die strategische Ausrichtung von Krypto‑Firmennetzwerken, die bislang als unabhängige Liquiditätsanbieter galten.

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