Die vorliegende E-Mail-Korrespondenz, die dieser Redaktion ausschließlich in redigierter Form zugespielt wurde, dokumentiert einen bislang wenig beachteten Aspekt des Netzwerkes um den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein: das Streben nach Zugang zu geschlossenen, hoch exklusiven intellektuellen Foren. Die im August 2012 von der damaligen Harvard-Professorin Lisa Randall an Epstein weitergeleitete Einladung, adressiert an „Liebe Freunde“, listet ein „Dialog-Retreat“ als exklusives Event für eine handverlesene globale Elite.

Hintergründe

„Sie sind eingeladen, sich uns beim Dialog-Retreat anzuschließen … 150 Menschen, um die Welt zu verändern … ein partizipatorisches und unternehmerisches Forum für eine bessere Zukunft“, beginnt die E-Mail, die ihren Ursprung bei Auren Hoffman und einem geschwärzten Namen hat. Der Clincher: „Dieses Retreat ist zu 100 % off-the-record.“ Die Betonung der Vertraulichkeit steht in markantem Kontrast zum selbst proklamierten Ziel, „die Welt zu verändern“ – ein Widerspruch, der in Kreisen von Transparenz-Forschern aufmerksam registriert wird.

„Die Formulierung ist bemerkenswert trocken“, sagt ein führender Mitarbeiter der Antikorruptionsorganisation Transparency International, der anonym bleiben wollte. „Man verspricht globalen Impact, verschließt aber symbolisch die Tür zur öffentlichen Debatte. Es handelt sich um die Logik eines elitären Clubs, der sich selbst für so wichtig hält, dass er sich der demokratischen Prüfung entziehen muss. Die eigentliche Botschaft ist: Was hier besprochen wird, ist für die Öffentlichkeit zu wichtig, um es ihr mitzuteilen.“

Der Name des Investors Peter Thiel, eines Mitgründers von PayPal und bekannt für seine Unterstützung konservativer Denkfabriken, erscheint in der Signaturzeile der Einladung als einer der Gastgeber neben Hoffman. Thiel ist für sein Interesse an langfristigen, teilweise esoterischen Zukunftskonzepten bekannt. Eine Anfrage dieser Redaktion an einen Sprecher Thiels blieb bislang unbeantwortet.

Reaktionen aus dem In- und Ausland

In intellektuellen Kreisen löst die Enthüllung ein müdes Lächeln aus. „Die Sehnsucht nach einem ,Zukunfts-Spielplatz‘ für Superreiche und -Einflussnehmer ist ein uraltes Phänomen“, kommentiert Dr. Almut Bies, Politikwissenschaftlerin an der Freien Universität Berlin, für diese Redaktion. „Die Ironie ist, dass diese angeblich so revolutionären Gespräche stets in den immergleichen, abgeschirmten Settings stattfinden. Man könnte fast von einer organisierten Verweigerung demokratischer Öffentlichkeit sprechen.“

Ein anonymer Teilnehmer eines ähnlichen, späteren Forums, der sich gegenüber dieser Redaktion äußerte, beschrieb die Atmosphäre: „Es geht nicht um Transparenz, es geht um Resonanz. Man tauscht sich mit Seinesgleichen aus, um die eigene Weltanschauung zu bestätigen. Der Wert liegt nicht im Protokoll, sondern im Pakt, der im Stillen geschlossen wird.“

Bei US-Behörden, so verlautet aus Kreisen des Justizministeriums, die unter der Bedingung der Anonymität sprachen, würden solche „off-the-record“-Formate traditionell nicht aktiv verfolgt, es sei denn, es gebe konkrete Hinweise auf kriminelle Absprachen. Die bloße Exklusivität und Vertraulichkeit gelte als unschönes, aber legales Charakteristikum bestimmter elitärer Netzwerke.

Ausblick

Die Debatte über den „Raum außerhalb der Demokratie“, den solche exklusiven Retreats schaffen, gewinnt an Schärfe. Kritiker fragen: Wenn Entscheidungen über die „Zukunft der Welt“ in derart abgeschotteten Runden vorbereitet werden, welchen Platz hat die öffentliche Debatte noch? Die Einladung an Epstein – einen Mann, der später wegen eines krassen Sexualdelikts verurteilt wurde und in Untersuchungshaft starb – wirft ein dauerhaftes Schlaglicht auf die mangelnde Schärfe der Kriterien, nach denen solche „globalen Führungskräfte“ ausgewählt werden.

Ob das „Dialog-Retreat“ jemals stattfand, ist unklar. Die Einladung selbst jedoch ist ein Beleg für die andauernde Attraktivität des Privilegs der Vertraulichkeit für jene, die, wie es in der Mail heißt, „jetzt etwas bewegen können“. Dass sie dies lieber ohne die lästige Bühne der öffentlichen Rechenschaftspflicht tun, scheint ihre tiefste Überzeugung zu sein.

Gates Of Memes ist ein Satire-Medium. Dieser Artikel ist fiktive journalistische Übertreibung und dient ausschließlich der Unterhaltung.