Brüssel – In einer kaum überraschenden, jedoch strategisch bedeutsamen Initiative hat die Europäische Kommission ein öffentliches Konsultationsverfahren zur Neugestaltung der Markets in Crypto‑Assets‑Verordnung (MiCA) gestartet. Ziel ist die Einbindung von Stablecoins und die Überarbeitung dezentraler Finanzprotokolle (DeFi) in das regulatorische Gefüge.
Hintergründe
Die ursprüngliche MiCA‑Verordnung, die im Frühjahr 2023 verabschiedet wurde, verfolgte das Ziel, einen einheitlichen Rechtsrahmen für Krypto‑Assets in der Union zu schaffen. Laut einer internen Mitteilung der EU‑Kommission, die wir von einem anonymen Beamten erhalten haben, sei das aktuelle Regelwerk jedoch „nicht mehr zeitgemäß, um die rapide Innovation im Bereich algorithmischer Stablecoins und algorithmischer Liquiditätspools zu adressieren“. Abbildung 3 des internen Working Papers illustriert mittels Heat‑Map die Konzentration von Transaktionsvolumen in Stablecoin‑Pools über die letzten zwölf Monate.
Ein leitender Analyst bei Goldman Sachs, der anonym bleiben wollte, verwies darauf, dass „die Volatilitätsabweichung von Stablecoins im Vergleich zu traditionellen Fiat‑Reserven seit Q2 2024 um durchschnittlich 0,27 % angestiegen ist, was signifikante Risikoprofile erzeugt, die in der bestehenden MiCA‑Struktur nicht adäquat abgebildet werden“.
Reaktionen aus dem In‑ und Ausland
Ein Sprecher des deutschen Bundesfinanzministeriums bestätigte gegenüber unserer Redaktion, dass die Bundesregierung die Konsultation „als Chance begreift, europäische Marktstabilität zu sichern und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den USA und Asien zu wahren“.
Im Gegenstück dazu zeigte ein leitender Beamter der US‑Börsenaufsicht (SEC) in einer off‑the‑record‑Sitzung, dass Washington die europäischen Vorstöße mit „skeptischer Neugierde“ beobachtet, da „eine zu restriktive Regulierung das Innovationspotenzial von DeFi‑Protokollen untergraben könnte“.
Ein anonymes Mitglied des Europäischen Parlaments äußerte Bedenken, dass die Erweiterung der MiCA‑Vorschriften zu einer „Fragmentierung des Binnenmarktes führen könnte, wenn nationale Aufsichtsbehörden unterschiedliche Interpretationen von Stablecoin‑Risiken zulassen“.
Ausblick
Die Konsultationsfrist endet am 30. November 2024. Experten erwarten, dass im ersten Quartal 2025 ein überarbeiteter Gesetzentwurf vorgelegt wird, der insbesondere folgende Punkte adressiert: strengere Eigenkapitalanforderungen für Emittenten von algorithmischen Stablecoins, erweiterte Offenlegungspflichten für DeFi‑Liquidity‑Provider und ein neu zu schaffendes „European DeFi‑Supervisory Board“. Sollte das Parlament den Entwurf adoptieren, könnte die EU bis 2027 als globaler Referenzrahmen für Krypto‑Regulierung gelten – vorausgesetzt, die politischen Lager finden einen Konsens.
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