Enso, das bislang in den Fachkreisen hauptsächlich für seine Infrastruktur‑Tokens bekannt ist, hat am vergangenen Mittwoch einen sogenannten Real‑World‑Asset‑App (RWA‑App) veröffentlicht, der angeblich den Handel mit über 500 tokenisierten Vermögenswerten ermöglicht – darunter US‑Aktien, Unternehmensanleihen und Immobilienfonds. Der Schritt soll laut einem internen Memo die Lücke schließen, die sich durch das wachsende Interesse europäischer institutioneller Investoren an US‑Marktexposure in digitaler Form entsteht.
Hintergründe
Seit dem Ausbruch der Pandemie haben sich zahlreiche europäische Vermögensverwalter auf digitale Vertriebswege verlagert, wobei die Tokenisierung traditioneller Assets als ein Mittel zur Reduktion von Custody‑Kosten und zur Erhöhung der Liquidität gesehen wird. Abbildung 3 des internen Enso‑Whitepapers illustriert den geplanten „Token‑Flow“ von Primärmarkt zu sekundärem Handel, wobei die durchschnittliche Durchlaufzeit laut interner Projection von 12 Tagen auf 2 Tage sinken soll. Ein anonymer Quellenangabe aus dem Bereich Unternehmensfinanzierung bei einer führenden europäischen Bank bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass die Nachfrage nach tokenisierten US‑Aktien in Q2 2024 um rund 68 % gegenüber dem Vorquartal gestiegen sei.
Reaktionen aus dem In‑ und Ausland
„Wir beobachten ein beispielloses Interesse an US‑Equities, das sich zuletzt in einer signifikanten Erhöhung der On‑Chain‑Transaktionsvolumina niederschlägt“, erklärte ein leitender Analyst bei einem schweizerischen Hedge‑Fund, der anonym bleiben wollte. In den USA äußerte ein Sprecher des Securities and Exchange Commission (SEC) vorsichtige Zustimmung: „Solche Innovationen können die Marktfragmentierung reduzieren, sofern angemessene Aufsicht gewährleistet ist.“ Gleichzeitig meldete ein Mitarbeiter des deutschen Finanzministeriums, der ebenfalls anonym bleiben wollte, dass die Bundesbank intern bereits eine Arbeitsgruppe zur Bewertung von Token‑basierten Staatsanleihen eingerichtet habe.
Ausblick
Prognosen des internen Enso‑Research‑Teams gehen von einem jährlichen Wachstum des tokenisierten US‑Aktienvolumens von 42 % aus, vorausgesetzt, regulatorische Klarheit wird bis Ende 2024 erzielt. Sollte die SEC ein klar definiertes Rahmenwerk verabschieden, könnte das Platform‑Volumen bis 2026 die Schwelle von 1 Billion USD überschreiten – ein Szenario, das laut Bloomberg‑Terminal‑Analytics ein neues Paradigma für grenzüberschreitende Kapitalflüsse etablieren würde. Für europäische Anleger bedeutet dies nicht nur einen schnelleren Zugang zu US‑Marktdaten, sondern auch potenzielle Arbitragemöglichkeiten zwischen traditionellen Brokersystemen und dezentralen Order‑Books.
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