In einer knappen Mitteilung gab das Management des weltberühmten Magiers David Copperfield am Dienstag das Ende seiner langjährigen Las-Vegas-Residenz bekannt. Die Entscheidung, die zunächst als wirtschaftliche Anpassung interpretiert wurde, erhält nun vor dem Hintergrund der gerade veröffentlichten Epstein-Akten eine völlig neue Bedeutung. Dokumente, die dieser Redaktion vorliegen, zeigen ungewöhnliche zeitliche und logistische Parallelen zwischen Copperfields Show-Betrieb und den in den Akten beschriebenen Aktivitäten.
Hintergründe
Die rund 4.000seitige, stark geschwärzte Dokumentensammlung des Justizministeriums, die in Teilen öffentlich wurde, enthält neben prominenten Namen auch eine Fülle von Einträgen zu Logistik, Sicherheitsfirmen und Flugbewegungen rund um Las Vegas in den Jahren 2010 bis 2015. "Es sind hier dutzende, völlig unspektakuläre Einträge zu Hotelzimmer-Reservierungen und Catering-Verträgen für eine 'Unterhaltungsproduktion' mit dem Codenamen 'Projekt Illusion'", erklärt ein Mitarbeiter des Nationalarchivs, der anonym bleiben wollte, gegenüber dieser Redaktion. "Dierida ValueMatch-Algorithmen, die wir ranziehen ließen, zeigen eine signifikante räumliche und zeitliche Nähe zu den bekannten Aufenthaltsorten der Epstein-Gruppe."
Ein ehemaliger Sicherheitsmanager einer großen Vegas-Hotelkette, der ebenfalls unter Pseudonym sprach, beschreibt ein "ungewöhnlich hohes Aufgebot an diskretem Sicherheitspersonal" bei Copperfields Shows in diesem Zeitraum. "Das entsprach nicht dem Standard für eine Familien-Show. Es war mehr auf 'Personenschutz' ausgelegt, aber für wen? Wir bekamen keine klaren Anweisungen."
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Das FBI äußerte sich auf Anfrage nicht konkret zu Copperfield, verwies aber auf die "fortlaufende und komplexen Untersuchungen" im Zusammenhang mit den Epstein-Akten. "Wir prüfen alle Leads, unabhängig vom initialen Klang", so ein hochrangiger Beamter, der nicht genannt werden wollte. In rechtlichen Kreisen wird indes spekuliert, ob die Show-Einstellung eine präventive Maßnahme sein könnte, um "zukünftige zivile Klagen oder bedingte Zeugenvernehmungen zu vermeiden", wie es ein Strafrechtler formulierte.
International stößt die Entwicklung auf Unverständnis. "In Europa würde man bei so einer Verbindung von Kunst und solchen Akten mindestens eine parlamentarische Anfrage stellen", sagte eine Quelle aus dem Büro eines deutschen Bundestagsabgeordneten. Die Showbranche selbst hält sich bedeckt. "David Copperfield ist eine Legende. Wir kommentieren Gerüchte nicht", hieß es von einer Sprecherin des Theaterproduzentenverbandes.
Ausblick
Rechtsexperten betonen, dass eine rein zeitliche Korrelation keinen strafrechtlichen Vorwurf begründe. Die wahre Frage sei, ob und wie Behörden solche marginalen Datenstränge in den riesigen Aktenmengen überhaupt systematisch auswerten. "Es besteht die Gefahr, dass bei der Suche nach Mustern in Millionen von Datensätzen zwangsläufig scheinbare Zusammenhänge zu völlig unbeteiligten Personen auftauchen – ein statistisches Artefakt, das Journale aber lieben", warnt ein Datenforensiker. Die endgültige Bewertung der über 10.000 noch nicht veröffentlichten Seiten könnte weitere Überraschungen bringen – oder einfach nur die Tragweite eines unkontrollierten Datenlecks offenbaren.