Manila – Das weltweit größte Krypto‑Handelsportal Binance hat laut einem internen Bericht von BlockShoals angekündigt, künftig philippinischen Händlern den Zugang zu seinen Plattformen über ein von der US‑Börsenaufsicht SEC eingerichtetes Sandbox‑Modell zu ermöglichen – und das, ohne dass ein lokaler VASP‑Lizenznehmer erforderlich ist.
Hintergründe
Die US‑Securities and Exchange Commission (SEC) hat im vergangenen Quartal ein sogenanntes “Regulatory Sandbox Framework” etabliert, das aus Sicht der Aufsicht ersterdings den experimentellen Betrieb von Finanztechnologien erlaubt, solange bestimmte Risiko‑ und Transparenzparameter eingehalten werden. BlockShoals, ein in Hongkong ansässiger Marktforschungsanbieter, hat in einem 28‑Seiten‑Whitepaper dargelegt, dass Binance die Sandbox‑Kriterien erfüllt, indem es seine US‑Einheiten als „Qualified Intermediary“ einsetzt und sämtliche Order‑Flows über ein Offshore‑Clearing‑Hub leitet.
„Abbildung 3 zeigt die modellierte Risiko‑Exposition im Vergleich zu einer regulierten VASP‑Struktur: 0,02 % des Netto‑Asset‑Values (NAV) gegenüber 0,15 % bei traditionellen Lizenzträgern“, erklärt ein leitender Analyst von BlockShoals, der anonym bleiben wollte. Der Bericht weist zudem darauf hin, dass die SEC‑Sandbox es Binance erlaubt, Krypto‑Derivate zu handeln, jedoch nicht den direkten Transfer von Fiat‑Währungen in lokale Banken.
Reaktionen aus dem In‑ und Ausland
Ein Mitarbeiter des philippinischen Finanzministeriums, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber unserer Redaktion, dass die Regierung bislang keine offizielle Stellungnahme zu der Sandbox‑Nutzung abgegeben habe, jedoch intensive Gespräche mit der SEC führe. „Wir prüfen die Implikationen für die Finanzstabilität, insbesondere in Hinblick auf das erhöhte Volumen im Retail‑Segment“, so die Quelle.
In den USA äußerte ein SEC‑Beamter, der nicht namentlich genannt werden durfte, dass die Sandbox „kein Freifahrtschein für regulatorische Umgehungen“ sei und dass Binance „strenge Reporting‑ und Audit‑Pflichten“ erfülle. Gleichzeitig warnte das Office of the Comptroller of the Currency (OCC) vor möglichen „Jurisdiktionskonflikten“, die sich aus der Doppel-Compliance ergeben könnten.
Ein anonymer Börsenhändler aus Singapur, der seit 2015 Bitcoin tradet, bemerkte in einem auf Telegram veröffentlichten Kommentar: „Die Möglichkeit, über eine US‑Sandbox zu handeln, reduziert operatives Risiko, könnte aber die lokale Aufsicht schwächen.“
Ausblick
Marktbeobachter gehen davon aus, dass Binance durch die Sandbox‑Strategie innerhalb von sechs Monaten ein Marktvolumen von ca. 120 Millionen US‑Dollar in den Philippinen realisieren könnte – eine Steigerung von über 250 % gegenüber dem Vorjahr. Analysten von Goldman Sachs prognostizieren in einem internen Memo, dass das Modell als „Proof‑of‑Concept“ für weitere Schwellenländer dienen könnte, sofern die regulatorischen Rahmenbedingungen der SEC stabil bleiben.
Die Philippinen, die bereits 2022 ein VASP‑Gesetz verabschiedet haben, könnten künftig gezwungen sein, ihre Lizenzierungsarchitektur zu überdenken. Ein Sprecher des Ministeriums betonte jedoch: „Wir behalten unser souveränes Recht, regulatorische Anforderungen anzupassen, um den Schutz unserer Verbraucher zu gewährleisten.“
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