BERLIN – Das bislang als reiner Bitcoin‑Miner bekannte Unternehmen IREN (NASDAQ: IREN) hat laut einem aktuellen Analystenbericht von Bernstein einen radikalen Geschäftswechsel eingeleitet: Der Fokus verschiebt sich von der Erschließung von Proof‑of‑Work‑Hash‑Power hin zu einem $3,7 Milliarden schweren AI‑Cloud‑Geschäft. Die strategische Neuausrichtung, die auf einem mehrjährigen Kooperationsvertrag mit Microsoft basiert, soll laut internen Prognosen den Mining‑Umsatz innerhalb von fünf Jahren auf ein Niveau von unter 10 % des Gesamtergebnisses reduzieren.

Hintergründe

Der Wandel lässt sich auf drei zentrale Treiber zurückführen. Erstens hat die globale Hash‑Rate seit Anfang 2023 ein Plateau erreicht, während die Stromkosten in den wichtigsten Mining‑Regionen um durchschnittlich 14 % pro Jahr steigen (Bloomberg‑Terminal, Index BRX‑01). Zweitens eröffnet die Partnerschaft mit Microsoft, die IREN Zugang zu den neuesten Azure‑GPU‑Instanzen verschafft, ein völlig neues Einnahmenmodell: AI‑Training und Inferenz‑Services für Enterprise‑Kunden. Drittens hat IREN im ersten Quartal 2024 bereits die Beschaffung von 15 000 zusätzlichen Nvidia H100‑Einheiten abgeschlossen – ein Volumen, das laut internen Quellen von "einem leitenden Analysten von Bloomberg, der anonym bleiben wollte", die aktuelle Kapazität um 250 % übersteigt.

Abbildung 3 des Bernstein‑Reports illustriert den erwarteten Rückgang der Mining‑Erlöse (blau) im Vergleich zum exponentiell wachsenden AI‑Umsatz (rot). Der mittlere Jahres‑EBITDA wird demnach von -$210 Mio. im Jahr 2023 auf +$420 Mio. im Jahr 2026 prognostiziert.

Reaktionen aus dem In‑ und Ausland

Ein leitender Mitarbeiter des finnischen Finanzministeriums, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass die skandinavischen Regulierungsbehörden bereits Gespräche über die steuerliche Behandlung von AI‑Cloud‑Umsätzen führen. "Wir beobachten die Diversifikation aufmerksam, weil sie implizit eine Reduktion der CO₂‑Intensität bedeutet", heißt es.

In den USA äußerte ein Partner von Venture‑Capital‑Firma Andreessen Horowitz, dass die "Kombination von Mining‑Know‑how und AI‑Infrastruktur ein bisher unerschlossenes Marktsegment erschließe". Gleichzeitig warnte ein Sprecher der US‑Börsenaufsicht (SEC) davor, dass Investoren die neue Risikostruktur, insbesondere die Abhängigkeit von Hardware‑Lieferketten, kritisch prüfen müssten.

Ein in Hongkong ansässiger Krypto‑Fund-Manager, der nur als "Liu" identifiziert wird, kommentierte: "Die Umstellung ist ein cleveres Hedging gegen die volatile Bitcoin‑Preisentwicklung, könnte jedoch das Vertrauen der traditionellen Miner‑Community unterminieren."

Ausblick

Bernstein rechnet damit, dass IREN bis Ende 2025 etwa 35 % seines Marktwertes durch AI‑Cloud‑Dienstleistungen generieren wird. Die Analysten erwarten, dass die Aktie ein „Buy‑and‑Hold“-Rating erhält, sobald das Umsatz‑to‑EBITDA‑Multiple den Schwellenwert von 12× übertrifft. Sollte die GPU‑Lieferkette durch geopolitische Spannungen weiter belastet werden, könnte das Vorhaben jedoch verzögert werden – ein Szenario, das laut einer anonymen Quelle aus dem "Global Semiconductor Outlook" im dritten Quartal 2024 zu einem Rückgang des AI‑Umsatzes um bis zu 18 % führen könnte.

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