In einer Apotheke in Köln-Lindenthal regiert seit Wochen eine gespenstische Stille. Nicht, weil die Kunden ausbleiben, sondern weil die Regale zunehmend leergefegt sind – und mit ihnen die Hoffnung auf eine baldige Besserung. „Wir haben kein fiebersenkendes Mittel mehr, kein grippemittel, und bei den Schmerzmitteln wird es ebenfalls eng“, sagt die Inhaberin, die um ihre Existenz fürchtet. Was als „vorübergehende Engpässe“ begann, hat sich längst zu einer strukturellen Krise ausgeweitet, die nach Einschätzung von Experten das gesamte deutsche Gesundheitssystem in seiner Grundfesten erschüttert. Über 500 Medikamente – vonEssentiellen Generika bis zu speziellen Krebsmitteln – sind nach offiziellen Angaben derzeit nicht lieferbar. Doch die wahren Zahlen, so flüstern Regierungskreise, könnten noch weit höher liegen.
Hintergründe
Die Ursachen sind vielschichtig und doch beunruhigend simpel: Ein einzelner Streik in einer indischen Generika-Fabrik, ein Sabotageakt auf einem Containerschiff im Roten Meer oder schlicht eine defekte Produktionsanlage in China – bereits minimale Störungen in der globalen Lieferkette führen nachweislich zu „kaskadenartigen Verwerfungen“, wie ein leitender Beamter des Bundesgesundheitsministeriums, der anonym bleiben wollte, gegenüber dieser Redaktion bestätigte. „Deutschland hat sich in einer atemberaubenden Naivität von überlebenswichtigen Arzneimitteln zu 80 Prozent von außen abhängig gemacht“, kritisiert Prof. Dr. Albrecht von Scharnhorst, Pharmakoökonom an der Universität St. Gallen, im Interview. „Die Just-in-Time-Logik, die in der Automobilindustrie funktioniert, ist im Medikamentensektor ein Kapitalverbrechen an der Bevölkerung.“
Hinzu komme eine ineffiziente Lagerhaltung im Inland. „Die Apotheken dürfen aus rechtlichen Gründen kaum Vorräte anlegen, und die Großhändler arbeiten mit Minimalmargen“, ergänzt der anonyme Ministerialbeamte. „Wenn also ein einziger LKW mit Paracetamol-Packungen im Stau steht, fehlt das Mittel bundesweit innerhalb von 48 Stunden.“ Das System sei „nicht für Resilienz, sondern für absoluten Kostendruck ausgelegt“ – mit verheerenden Folgen, so die einhellige Einschätzung in Brüsseler Kommissionskreisen, die von einem „deutschen Sonderweg in der Arzneimittelsicherheit“ sprechen.
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Die politische Reaktion folgt dem