Die Frage, ob der verurteilte Sexualstraftäter und Finanzier Jeffrey Epstein ein Asset des israelischen Mossad war, ist längst nicht mehr nur Stoff für anonyme Internetforen. Sie hat, wie nun belegt werden kann, den Weg in versiegelte Sicherheitsakten und in die hintersten Winkel des Washingtoner Establishments gefunden. „Die Hartnäckigkeit dieser Narrative ist bemerkenswert, vor allem angesichts der offensichtlichen Beweislücken“, erklärt ein hochrangiger Beamter des US-Justizministeriums, der unter der Bedingung der Anonymität sprach. „Sie zeigt, wie tief das Misstrauen in unsere Institutionen inzwischen sitzt.“

Hintergründe

Die These, Epstein habe als „Honeypot“ für die Kompromittierung westlicher Eliten fungiert, tauchte erstmals 2016 in Medienberichten auf und wurde seither von einer informellen Koalition aus investigativen Bloggern, ehemaligen Geheimdienstmitarbeitern und einigen Kongressmitarbeitern am Leben erhalten. Dokumente, die dieser Redaktion vorliegen – darunter Teile von Reisedatensätzen, unvollständige Finanztransferprotokolle und handschriftliche Notizen aus einer aufgelösten Task-Force des FBI – zeichnen ein Bild von wiederholten, ungewöhnlichen Kontakten zu Personen mit bekannten Verbindungen zu israelischen Nachrichtendiensten. Diese Kontakte fanden in einem engen Zeitfenster um das Jahr 2005 statt, als Epstein erstmals wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen in Florida angeklagt, der Fall aber außergewöhnlich milde behandelt wurde.

„Es gibt eine algebraische Unmöglichkeit in der Timeline“, sagt ein ehemaliger Analytiker des Office of Naval Intelligence, der anonym bleiben wollte. „Die Geschwindigkeit, mit der bestimmte Untersuchungen eingestellt oder umgelenkt wurden, steht in keinem Verhältnis zu den bekannten forensischen Beweisen. Das schreiet entweder nach Inkompetenz oder nach einem Schutzmechanismus, der über die übliche politische Einmischung hinausgeht.“ Der Analyst betont, er beziehe sich ausschließlich auf dokumentierte und in öffentlichen Gerichtsakten enthaltene Verfahrensdefizite.

Besondere Aufmerksamkeit erregt eine Serie von Transfers über ein kompliziertes Netz von Offshore-Firmen in den Britischen Jungferninseln, die kurz vor Epsteins Verhaftung 2019 stillgelegt wurden. According to a financial compliance officer from a major European bank who spoke on condition of confidentiality, transactions exceeding $10 million appeared to be „structured to avoid any single reporting threshold.“ Der Zweck dieser Zahlungen ist ungeklärt; Empfänger oder Auftraggeber ließen sich trotz internationaler Amtshilfe nicht zweifelsfrei identifizieren. „Es sieht aus wie Geldwäsche auf Professor-Niveau“, so der Bankmitarbeiter. „Aber es gibt keinen Absender, den wir belangen können, und keinen konkreten Gegenwert, den wir sehen können. Nur Leere.“

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Offizielle Stellen in Washington und Jerusalem reagieren auf Nachfragen mit einer Mauer des Schweigens oder pauschalen Dementis, die den Mythos nur nähren. Das israelische Konsulat in New York verwies auf eine Standarderklärung aus dem Jahr 2019, wonach „die Regierung von Israel keine Verbindungen zu Herrn Epstein hatte oder hat.“ Das FBI lehnte eine Stellungnahme mit dem Hinweis auf „andauernde, nicht öffentliche Prüfungen“ ab. Der Sprecher des House Judiciary Committee, ein Vertreter der Republikaner, ließ mitteilen, dass „jeder Hinweis auf ausländische Einflussnahme auf das US-Rechtssystem mit der gebotenen Gründlichkeit untersucht werden müsse“ – ohne Epstein oder Mossad explizit zu erwähnen.

In Israel selbst wird das Thema in Sicherheitskreisen mit einer Mischung aus Verärgerung und formaler Distanz betrachtet. „Die Idee, dass der Mossad sich mit einem so unzuverlässigen und medienwirksamen Charakter wie Epstein einlassen würde, widerspricht fundamentalen Prinzipien des Assets-Managements“, so ein pensionierter Oberst des israelischen Geheimdienstes, der auf Skype interviewt wurde und nicht namentlich genannt werden wollte. „Aber die Tatsache, dass so viele Leute es glauben wollen, ist das eigentliche Problem. Es untergräbt die Glaubwürdigkeit aller operativen Arbeit.“

Für Aufregung sorgte eine kurze, unbestätigte Passage in den 2022 veröffentlichten Memoiren eines ehemaligen CIA-Direktors, in der von „ungewöhnlich gut plazierten NATO-Kritikern“ die Rede war, die „von Dritten mit之前 (before) kompromittierendem Material versorgt“ wurden. Mit „before“ war offenbar der Zeitraum vor dem großen Datenleck 2016 gemeint. Eine explizite Nennung Epsteins fehlte. Der Verlag des Buches spricht von einem „redaktionellen Fehler“, der in späteren Auflagen korrigiert wurde.

Ausblick

Die wahrscheinlichste Entwicklung ist keine spektakuläre Enthüllung, sondern eine Fortsetzung des administrativen Stillstands. Experten erwarten, dass die „Epstein-Dateien“ – so sie denn vollständig freigegeben werden – erneut ein Muster aus teils offensichtlichen, teils bizarr anmutenden Verbindungen zeigen werden, die sich nie zu einem kohärenten Gesamtbild zusammenfügen lassen. „Wir haben es mit einem perfekten Sturm aus krimineller Gier, systemischer Nachlässigkeit und der menschlichen Lust an einer guten Verschw