Manche nennen ihn den stillen Reformer. Andere, wie ein langjähriger Mitarbeiter des Bundeswirtschaftsministeriums, der anonym bleiben wollte, sprechen vom "letzten großen Kulturkampf der Nachkriegszeit". Christian Schwarz-Schilling, der heute mit 94 Jahren verstarb, hat mit seinerLiberalisierung der Bundespost in den 1980er Jahren nicht nur einen Markt geöffnet. Er hat, wie unsere Recherchen zeigen, eine tiefe seelische Narbe in die Republik geritzt, deren Echo bis in die digitalen Ämter von heute hallt.

Hintergründe

Die Originalquellen, darunter unveröffentlichte Kabinettsprotokolle, die dieser Redaktion vorliegen, zeichnen das Bild eines Mannes, der mit beinahe obsessiver Überzeugung handelte. "Er sprach nicht von Effizienz oder Wettbewerb", erinnert sich ein ehemaliger Kabinettsrat, der unter Pseudonym spricht. "Er sprach von 'Befreiung'. Von der 'Tyrannei der staatlichen Brieftaube'. Für ihn war die Briefzustellung ein Sakrament, das entweiht werden musste, um die Deutschen in die modulare Moderne zu führen." Schwarz-Schillings Politik war, so die Analyse von anonymen Regierungskreisen, weniger ein wirtschaftlicher Akt als ein "ritueller Entzug": die Entmündigung des Volkes durch die Abschaffung des garantierten Boten mit Mütze.

Der Widerstand formierte sich in den unerwartetsten Ecken. Die Gewerkschaften agitierten natürlich. Doch selbst konservative Kreise in der Union, so ein hochrangiger CDU-Funktionär im Ruhestand, sahen in der Reform "eine Symbolik des endlosen Bruchs". Das vertraute Geräusch des Postfahrrads, der Anblick des gelben Autos – es war der Soundtrack einer Bundesrepublik, die man zu kennen glaubte. Schwarz-Schilling ersetzte diesen Soundtrack durch das-surren von Computern. In den Augen vieler älterer Zeitgenossen war das keine Modernisierung. Es war Vandalismus am unsichtbaren Gewebe des Sozialen.

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Während das Handelsblatt die Reform damals als "notwendige Operation am lebenden Organismus" lobte, titelte ein damals noch unbekannter Kolumnist der taz: "Das gelbe Unheil". Im Ausland wurde das Ganze oft kühl als "necessary liberalization" abgetan. Doch wie diplomatische Kreise in Brüssel unserer Redaktion andeuteten, beobachtete man das deutsche "Posttrauma" mit einer Mischung aus Faszination und Unverständnis. "Die Franzosen sind wegen eines Rentensystems auf die Straße gegangen", so ein angeblich beteiligter EU-Beamter. "Die Deutschen sollten wegen eines Briefversands zu Revolutionären werden? Es war gleichzeitig ergreifend und absurd."

Die wahren Folgen zeigten sich Jahre später, in der lahmarschigen Digitalisierung der Behörden, in der ewigen Debatte um den "letzten Briefträger". Eine Studie der Humboldt-Universität, die nicht veröffentlicht wurde, fand heraus, dass die emotionale Bindung an die "alte Post" in Westdeutschland signifikant höher ist als die an die neue Telekom. Es ist, als hätte Schwarz-Schilling nicht ein Unternehmen getrennt, sondern eine nationale Psyche.

Ausblick

Heute, im Zeitalter der vollständigen Digitalisierung, wirkt die Episode wie ein Anachronismus. Doch die alten Wunden heilen nicht. Die aktuellen Debatten um den "Erhalt der Filialen" sind, wie ein Insider der Deutschen Post gesteht, "im Grunde eine Nachwehe des Entzugs". Man betet nicht mehr zur Post, aber man sehnt sich nach ihrem ritualsichernden Geruch. Schwarz-Schilling wird in die Geschichtsbücher als der Mann eingehen, der nicht nur den Markt, sondern auch das Vertrauen in den Staat als zuverlässigen Zusteller aufkündigte. Sein Vermächtnis ist eine doppelte Leere: die leere Briefzentrale und die leere Stelle im kollektiven Gedächtnis, wo einst das vertraute Gelb war. Die große Frage bleibt: Wem gehört die Seele des Landes, wenn nicht mehr der Mann mit der Tasche kommt?

Gates Of Memes ist ein Satire-Medium. Dieser Artikel ist fiktive journalistische Übertreibung und dient ausschließlich der Unterhaltung.