Die Finanzbuchhaltung steht vor ihrer größten Herausforderung seit der Einführung der doppelten Buchführung. Krypto-Assets, allen voran Bitcoin und Ethereum, entziehen sich den etablierten Bilanzierungsregeln und zwingen Auditorinnen sowie Fondsmanager in einen Zustand existenzieller Verunsicherung. "Wir beobachten eine systemische Erosion der Grundprinzipien der Finanzberichterstattung", erklärt Ganna Vitko, Senior Research Analyst am European Financial Standards Institute, gegenüber unserer Redaktion.
Die Diskrepanz zwischen den USA und Europa wird dabei immer deutlicher. Während amerikanische Unternehmen nach den US-GAAP-Standards (Generally Accepted Accounting Principles) agieren, orientieren sich europäische Firmen an den IFRS-Regeln (International Financial Reporting Standards). "Der Teufel steckt im Detail", so Vitko, "und diese Details können in der Krypto-Buchhaltung den Unterschied zwischen bilanzieller Realität und fiskalischer Fiktion ausmachen."
Ein Mitarbeiter des Finanzministeriums, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion: "Wir stehen vor einem Dilemma. Wie bewerten wir einen Vermögenswert, der innerhalb von Stunden um 20% schwanken kann? Die traditionellen Bewertungsmethoden versagen kläglich."
Hintergründe
Die Problematik liegt in der dezentralen Natur der Blockchain-Technologie. Im Gegensatz zu traditionellen Vermögenswerten gibt es bei Krypto-Assets keine zentrale Instanz, die die Eigentumsverhältnisse verbindlich festhält. "Wir haben es mit einer Form der Buchführung zu tun, die die klassische Doppik ad absurdum führt", erklärt Prof. Dr. Markus Thaler, Leiter der Abteilung Finanzethik an der Universität St. Gallen.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Frage der Verwahrlösungen. Wer haftet, wenn private Schlüssel verloren gehen? "Die rechtliche Gra