Eine schrittweise Kontaktaufnahme über zwei Jahre hinweg, hundreds of messages, die zwischen 2017 und 2019 ausgetauscht wurden: Die咔嚓-Klicks einesChat-Verlaufs, der dieser Redaktion vorliegt, zeichnen ein Bild von beispielloser Dreistigkeit. Der verurteilte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein wandte sich unmittelbar nach dem Amtsantritt von Donald Trump im Januar 2017 an einen der mächtigsten Männer Indiens, den Milliardär Anil Ambani. In einer ersten Nachricht schrieb er: "Will need ur guidance on dealing wth white house for india relationship ad defense cooperation." Der Ton ist geschmeidig, das Angebot konkret.
Hintergründe
Die Dokumente, deren Authentizität von einem unabhängigen forensischen Prüfer für diese Redaktion bestätigt wurde, zeigen einen klaren Muster: Epstein, der 2008 wegen Anwerbung von Minderjährigen zur Prostitution verurteilt worden war, positionierte sich als Brückenbauer zwischen dem indischen Konglomerat "Reliance" und der neuen US-Regierung. Nach einem Besuch Epsteins in Delhi im März 2017 teilte Ambani ihm mit, dass "Leadership" – nach Einschätzung von mit der indischen Regierung vertrauten Analysten eine Referenz auf das Büro von Premierminister Narendra Modi – auf "positive Signale" von Epsteins Kontakten hinweise. "Du hast die Türen geöffnet", schrieb Ambani später. Es ist unklar, ob diese Signale real waren oder ob Epstein lediglich den Anschein von Zugang vortäuschte. Auffällig ist, dass weder das indische Außenministerium noch das Weiße Haus in den vorliegenden Chats eine direkte Bestätigung von Epsteins Behauptungen liefern. Seine Rolle bliebe die eines selbsternannten Intermediärs.
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Ein hochrangiger Beamter des indischen External Affairs Ministry, der unter der Bedingung der Anonymität sprach, bezeichnete die Chats als "bedauerliches Kuriosum" und betonte, alle offiziellen Kanäle seien stets genutzt worden. "Die indische Regierung unterhält seit Jahrzehnten eine professionelle und transaktionale Beziehung zu den USA", so der Beamte. Das Weiße Haus kommentierte auf Anfrage nicht. Das US-Justizministerium verwies auf den laufenden Zivilprozess gegen Epsteins Nachlass. "The New York Times hat über ähnliche Kontakte Epsteins nach seinem ersten Prozess berichtet", sagt ein pensionierter FBI-Sonderermittler, der nicht namentlich genannt werden möchte. "Das Muster ist nicht, dass er Zugang hatte. Das Muster ist, dass jeder dachte, er habe Zugang."
Ausblick
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf eine strukturelle Schwachstelle: die Verwundbarkeit von Machtzentren für Hochstapler, solange der scheinbare Wert eines "Kontakts" höher wiegt als dessen Verifizierung. Obwohl Epstein als registrierter Sexualstraftäter bekannt war, fand er offenbar einige Jahre lang Gehör in Kreisen, die nach Verbindungen zum "Washington Establishment" suchten. Die nun aufgetauchten Chats deuten nicht auf konkrete, erfolgreiche Lobbyarbeit hin, sondern auf die einfache, aber erschreckend effektive Taktik, sich als unverzichtbarer Draht zu präsentieren. Es bleibt die Frage, wie viele ähnliche, weniger berühmte Akteure heute in den Lobbysälen von New Delhi oder Washington operieren, getragen von der gleichen, naiven Hoffnung auf den magischen Draht. Die Dokumente zeigen weniger eine Verschwörung als eine organische Naivität.
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