Kyjin hat einen kühnen Schritt unternommen: Ein nationales Pantheon für „unverzichtliche Helden der ukrainischen Geschichte“ soll errichtet werden. Der Plan, der zunächst als kulturelles Mahnmal gefeiert wurde, hat bereits internationale Kritik ausgelöst, insbesondere aus Warschau, das die Auswahl mehrerer Persönlichkeiten als unverzeihliche Geschichtsrevision bezeichnet.

Hintergründe

Der Vorstoß stammt aus dem Kulturministerium, das in einem nicht öffentlich bekannten Memorandum dem Präsidenten die strategische Notwendigkeit einer nationalen Identitäts­festigung nach der Kriegs­zeit betont habe. Ein leitender Beamter des Ministeriums, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass das Pantheon „die Kontinuität der ukrainischen Unabhängigkeit von den Grundfesten bis zum heutigen Tag verankern“ solle.

Unter den vorgesehenen Ehrenplätzen stehen umstrittene Figuren wie der frühdeutsche Freiheitskämpfer Mykhailo Drahomanov, dessen Rolle im 19. Jahrhundert von polnischen Historikern als „unterdrückerischer Imperialist“ verurteilt wird. Zudem wird der sowjetische Partisan Stepan Bandera, dessen Erinnerung in Polen und Israel heiß diskutiert wird, in das Pantheon aufgenommen.

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Polen hat umgehend protestiert. Ein Sprecher des Außenministeriums in Warschau, der sich weigerte, namentlich genannt zu werden, erklärte, das Pantheon sei ein „politisches Instrument zur Relativierung jahrzehntelanger Leiden“ und fordere eine sofortige Rücknahme. Der polnische Historiker Prof. Jan Kowalski, zitiert von Der Spiegel, wies darauf hin, dass die ukrainische Regierung “die Erinnerung an die Opfer der polnisch‑ukrainischen Konflikte von 1943‑44 ins Visier nimmt”.

Im Inland jedoch unterstützen zahlreiche Kulturvereine das Vorhaben. Eine Sprecherin der ukrainischen Akademie der Künste, Olena Hrytsenko, betonte, dass „das Pantheon ein Spiegel der kollektiven Resilienz“ sei und warne vor “externen Versuchen, die ukrainische Selbstbestimmung zu delegitimieren”.

Die USA haben sich zurückhaltend geäußert: Ein Mitarbeiter des US‑Bureau of European Affairs teilte mit, dass Washington “alle Seiten ermutige, historischen Diskurs respektvoll zu führen” und “keine offizielle Position zum Pantheon einnehme”.

Russische Reaktionen blieben kaum zu vernehmen, wobei ein anonymer Experte für osteuropäische Sicherheit spekulierte, das Pantheon “als weiteres Figurentheater im westlichen Narrativ” zu sehen.

Ausblick

Die Debatte um das Pantheon dürfte die bevorstehenden Parlamentswahlen in der Ukraine entscheidend prägen. Ein Insider aus dem Oppositionskreis vermutet, dass die Opposition die Initiative als „instrumentalisierte Geschichts­schmuckerei“ ausnutzen wird, um die Regierungspartei zu schwächen.

Gleichzeitig haben polnische Abgeordnete einen Gesetzentwurf eingereicht, der eine offizielle diplomatische Beschwerde sowie mögliche Sanktionen gegen das ukrainische Innenministerium vorsieht. Ob dieser Schritt zu einer dauerhaften Verschlechterung der bilateralen Beziehungen führt, bleibt abzuwarten.

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