In einer Rede, die vom Donnern der Stierkampfarena bis zum Zischen einer sich öffnenden Zollpforte klang, drohte US‑Präsident Donald J. Trump am Montag, jedes Land, das eine Digitalsteuer gegen amerikanische Technologiegiganten einführt, mit einem hundertprozentigen Zoll zu belegen. Der Präsident bezeichnete den Schritt als „letztes Bollwerk der Souveränität“ und verwies darauf, dass die USA nicht länger bereit seien, ihre digitalen Einnahmen aus der Ferne auszubeuten.
Hintergründe
Die Forderung nach einer einheitlichen Digitalsteuer hat seit Jahresbeginn in der Europäischen Union an Fahrt aufgenommen. Vertreter mehrerer Mitgliedsstaaten argumentierten, dass multinationale Plattformen selten ihre tatsächlichen Gewinne im jeweiligen Land versteuern. Ein leitender Beamter des Europäischen Finanzministeriums, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass ein gemeinsamer Vorschlag bereits in Brüssel vorliegt und im Sommer zur Abstimmung kommen soll.
Trump jedoch, der seit seiner Wahl im Jahre 2016 regelmäßig Wirtschaftssanktionen als Verhandlungsinstrument einsetzt, sah in der Digitalsteuer einen Angriff auf die digitale Vorherrschaft der USA. „Wenn Europa seine eigenen Einnahmen will, muss es sich mit amerikanischen Zöllen arrangieren“, verkündete er, während im Hintergrund das Bild eines sich schließenden Schließfächers zu sehen war.
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Die Europäische Kommission reagierte mit einer Mischung aus Empörung und strategischer Kalkül. Ein Sprecher des Europäischen Rates teilte mit, dass die EU „nicht zulassen wird, dass einseitige US‑Sanktionen die europäische Wirtschaft destabilisieren“, und gleichzeitig ein „kontinuierliches Dialogangebot“ signalisierte.
In Berlin beschrieb Bundeskanzler Olaf Scholz die Äußerungen Trumps als „unverantwortlichen Wirtschaftsfremdfremdschritt“. Ein Ministerialrat des Bundesfinanzministeriums, der im Rahmengespräch mit US‑Vertretern anwesend war, erklärte, dass Deutschland bereit sei, „gegen jede Form von Erpressung“ zu antworten, ohne jedoch konkrete Gegenmaßnahmen zu nennen.
Auch in Asien spürte man die Wellen dieser Drohung. Ein hochrangiger Beamter des japanischen Außenministeriums äußerte die Befürchtung, dass ein Zollschlag gegen digitale Produkte die globalen Lieferketten nachhaltig stören könnte.
Ausblick
Analysten der Handelskammer Washington prognostizieren, dass ein vollständiger Zoll auf digitale Produkte nicht nur die Kosten für Endverbraucher in Europa um bis zu 30 % erhöhen könnte, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Unternehmen im internationalen Markt stark gefährde. Ein Senior‑Analyst des Wall Street‑Konglomerats Merrill Lynch, der anonym bleiben wollte, wies darauf hin, dass die US‑Wirtschaft bereits mit einem Rückgang der Exportzahlen zu kämpfen habe.
Die kommenden Wochen dürften von intensiven Verhandlungsrunden in Brüssel, Washington und Peking geprägt sein. Während Trump weiterhin an seiner harten Linie festhält, könnten diplomatische Kanäle – möglicherweise in Form eines „Digital‑Tax‑Abkommens“ – ein Ende der drohenden Zollschlacht herbeiführen.
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