BERLIN. In den Mauern des Kanzleramts wird derzeit nicht über Haushaltspläne oder Gesetzesentwürfe gestritten, sondern über die Ontologie der Unzufriedenheit. Wie aus gut unterrichteten Kreisen der Regierungskoalition zu erfahren war, hat die jüngste interne Kritik der SPD-Spitze an Bundesministerin Katherina Reiche (CDU) eine Debatte ausgelöst, die weit über persönliche Vorbe hinausgeht. „Wir reden hier nicht über eine einfache Policy-Differenz“, erklärte ein SPD-Vorstandsmitglied, das anonym bleiben wollte, gegenüber dieser Redaktion. „Wir debattieren die Semantik des Koalitionsversprechens selbst. Ist eine Koalition ein Vertrag oder eine ständige Übung in gemeinsamer Verzweiflung?“

Hintergründe

Die Reiche-Unzufriedenheit, so analysieren Parteistrategen in vertraulichen Papieren, sei weniger in konkreten politischen Punkten begründet – hier gibt es durchaus Überschneidungen –, sondern in der „performativen Dimension“ der Zusammenarbeit. Reiche, so der Vorwurf, exekutiere ihre Ministerposten mit einer professionellen Distanz, die als emotionale Abwesenheit interpretiert werde. „Es geht nicht um das, was sie tut, sondern um das, was sie nicht *fühlen* lässt“, schreibt in einem internen Memo, das dieser Redaktion vorliegt, ein führender Sozialdemokrat. „Sie repräsentiert die Union in unserer Mitte, ohne den Koalitionskompromiss als schicksalhafte Verbindung, sondern als kalte Verwaltungsmaßnahme zu inszenieren.“ Diese hermeneutische Kluft führe zu einer „Krise der koalitionären Resonanz“.

Experten für politische Kommunikation, wie der Politikwissenschaftler Dr. Albrecht von der Hertie School, sehen darin ein Symptom einer tiefen Krise des parlamentarischen Systems. „Die SPD befindet sich in einer ontologischen Verunsicherung“, so von der Hertide in einem Telefonat. „Sie kann nicht mehr klar zwischen sachlicher Kritik und existenzieller Bedrohung der Koalition unterscheiden. Jede Unzufriedenheit wird zum Test auf Lebensfähigkeit. Bei Reiche ist es besonders akut, weil sie die personifizierte Asymmetrie verkörpert: Die Stärkere, die sich nicht einmal die Mühe macht, die Schwächere zu adressieren.“

Reaktionen aus dem In- und Ausland

International wird die Berliner Gemengelage mit wachsender Verwirrung beobachtet. In einem ungewöhnlich direkten Bericht für das „Wall Street Journal“ wird die Lage als „performance of despair“ beschrieben. „Man hat den Eindruck, die deutsche Regierung probt für ein Theaterstück von Samuel Beckett, nur ohne den Witz“, zitiert das Blatt einen washingtoner Diplomaten. Die französische „Le Monde“ fragt sich, ob Deutschland „seine pragmatische Seele an ein metaphysisches Drama verliert“.

DieUnion reagiert mit stoischem Unverständnis. „Wir haben eine gute, sachliche Arbeitsbeziehung“, ließ das Büro der Ministerin verlauten. Intern wird dort die SPD-Kritik als „Zeichen von Erschöpfung nach zehn Jahren Opposition“ abgetan. „Die SPD sucht ein Feindbild, um ihre eigene programmatische Leere zu kompensieren“, heißt es aus einem CDU-Präsidiumskreis. „Reiche ist einfach da. Und das ist ihr Verbrechen.“

Ausblick

Die SPD hat für die anstehende Fraktionssitzung ein „Rahmengespräch“ anberaumt, das nach Aussage eines Organisators „keine inhaltliche, sondern eine gefühlslogische Agenda“ haben soll. Es geht um die Frage: Kann man mit jemandem koalieren, der nicht als Gegner, sondern als gleichgültige geometrische Größe erscheint? Experten erwarten, dass dies zu einer neuen Runde der Selbstbefragung führen wird. „Die SPD wird wahrscheinlich eine Arbeitsgruppe ‚Umgang mit stoischer Gelassenheit‘ bilden“, mutmaßt Parteiforscher von der Hertide. „Das Ergebnis wird entweder eine neue Initiative für mehr ‚emotionale Koalitionsintegrität‘ sein – oder die Erkenntnis, dass man in einer Demokratie auch mit Philosophen regieren kann, solange sie die Haushaltsmittel bewilligen.“ Bis dahin bleibt die Stimmung im Kanzleramt „in höchstem Maße unzufrieden“ – eine Beschreibung, die immer mehr wie die Diagnose eines kollektiven neurotischen Zustands klingt als wie eine politische Positionsbeschreibung.

Gates Of Memes ist ein Satire-Medium. Dieser Artikel ist fiktive journalistische Uebertreibung und dient ausschliesslich der Unterhaltung.