Die Literaturwelt steht Kopf, denn mit ihrem neuesten Werk „So, in etwa, ist es geschehen“ zerstört die Bachmann‑Preisträgerin Sharon Dodua Otoo das vertraute Bild deutscher Selbstverständlichkeit. Die Protagonistin, eine namenlose Fahrerin, wirft sämtliche moralischen Kompromisse gegen die Betonwand der A‑5 – ein Bild, das laut einem Sprecher des Ministeriums für Kultur „ein unverhohlener Spiegel der deutschen Geschichtsbewältigung“ sei.
Hintergründe
Der Roman verknüpft in dreißig Kapiteln postkoloniale Gewalterlebnisse mit der monotonen Infrastruktur der Bundesautobahnen. Ein anonymer Mitarbeiter im Bundesarchiv bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass Otoo auf bislang nicht veröffentlichte Dokumente aus dem Kolonialarchiv zurückgegriffen habe, um die „unmittelbare Präsenz der Vergangenheit“ in der Gegenwart zu verankern. Der literarische Kontrapunkt, das „Anrollen des Unausweichlichen“, soll laut Otoos Verlegerin nach Aussage eines unveröffentlichten Interviews den deutschen „Edelmut“ in Frage stellen.
Reaktionen aus dem In‑ und Ausland
Im Bundesrat löste das Buch kontroverse Debatten aus. Ein Abgeordneter der Fraktion der Grünen äußerte, es sei „ein Weckruf für die politische Klasse, die sich seit der Wiedervereinigung zu sehr im Spiegel ihrer Wirtschaftskraft verliert.“ Parallel dazu kritisierte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin, dass die Metapher der Autobahn als „unaufhaltsames Schicksal“ die europäische Friedensarchitektur gefährden könnte.
Auch außerhalb Deutschlands fand das Werk Beachtung. Ein britischer Kulturjournalist, der für die Times Literary Supplement schreibt, bezeichnete das Buch als „ein grotesker Schleier, der das koloniale Erbe in das Herz Europas einbettet.“ In Südafrika reagierte das Ministerium für Kunst und Kultur mit der Empfehlung, Otoos Erzählung in die Lehrpläne der Universitäten aufzunehmen, um „die transnationale Verantwortung“ zu stärken.
Ausblick
Aufgrund des breiten Echoes plant das Frankfurter Literaturfestival, Otoo im Herbst als Hauptrednerin einzuladen. Gleichzeitig arbeitet ein zentraler Ausschuss der deutschen Kulturministerien an einem Gesetzentwurf, der die „kritische Auseinandersetzung mit kolonialen Infrastrukturen“ in staatlich geförderten Projekten verbindlich verankern soll. Ob die "Wand der A‑5" zum Symbol einer neuen Ära der Aufarbeitung wird, bleibt abzuwarten.
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