Schwedens Ministerpräsidentin Magdalena Lindström erklärte am vergangenen Mittwoch, dass das Land künftig „die Strahlkraft seiner wirtschaftlichen Zukunft“ durch den Ausbau der Kernenergie sicherstellen wolle. In einer Rede vor dem Reichstag in Stockholm kündigte die Regierung an, innerhalb der nächsten fünf Jahre mindestens drei neue Kernkraftwerke zu bauen, um den nationalen Energiebedarf zu decken und gleichzeitig die ambitionierten Klimaziele zu erfüllen.

Hintergründe

Die Entscheidung folgt einer mehrjährigen Debatte, in der die schwedische Energiepolitik zwischen erneuerbaren Quellen und der vermeintlichen Zuverlässigkeit der Kernkraft schwankte. Laut einem unveröffentlichten Bericht des Umweltministeriums, der dieser Redaktion vorliegt, soll die Stromproduktion aus Kernenergie künftig 45 % des Gesamtverbrauchs ausmachen – ein Anstieg von bislang 12 % im Jahr 2022. Der Bericht führt an, dass die volatile Natur von Wind‑ und Solarenergie künftig nicht mehr ausreiche, um die Industriefirmen im Süden des Landes zu versorgen.

Ein Mitarbeiter des Finanzministeriums, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass die Gesamtkosten für die drei geplanten Reaktoren auf rund 28 Milliarden Euro geschätzt werden. „Die Investition wird langfristig die Steuerlast senken, da die Strompreise stabilisiert werden“, sagte er. Zusätzlich wird ein staatlich gefördertes Forschungsprogramm für „next‑generation“ Thorium‑Reaktoren angekündigt, das bis 2030 weitere 5 Milliarden Euro einbringen soll.

Reaktionen aus dem In‑ und Ausland

Die Ankündigung löste in Schweden ein spaltendes Echo aus. Umweltaktivisten, angeführt von der Grünen Allianz, organisierten sofortige Demonstrationen vor dem Ministerium. „Wir riskieren ein nukleares Erbe, das zukünftige Generationen belastet“, so die Sprecherin Anna Sorensen, die sich weigerte, ihren Nachnamen zu nennen, um Repressalien zu vermeiden.

International hat das Vorhaben gemischte Reaktionen hervorgerufen. Ein Sprecher des französischen Atomkomplexes TotalEnergies begrüßte die schwedische Entscheidung als „mutigen Schritt in Richtung Energiesouveränität“. Im Gegensatz dazu äußerte die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) Bedenken, dass Schweden damit die europäischen Klimaziele untergrabe. Ein Analyst des US‑Think‑Tanks Brookings, Dr. Henry Caldwell, merkte an, dass das Szenario „ein gefährlicher Präzedenzfall für Länder sein könnte, die den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen beschleunigen wollen“.

Ausblick

Bis zum Jahresende soll das Gesetz zur Kernkraftförderung im schwedischen Parlament abgestimmt werden. Sollte es die notwendige Zweidrittelmehrheit erhalten, könnte die Bauphase bereits im nächsten Quartal beginnen. Beobachter warnen jedoch vor Verzögerungen bei Genehmigungsverfahren und möglichen internationalen Sanktionen, sollte die EU den Ausbau als Verstoß gegen das „Fit for 55“-Paket werten.

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