Berlin – Ein historischer Tag für das Rentensystem: Die unabhängige Rentenkommission hat heute gegenüber der Bundesregierung ein Reformpaket präsentiert, das einem durchschnittlichen Arbeitnehmer jährlich 770 Euro zusätzlich verspricht. Das Szenario basiert auf einem Modell der sogenannten Kapitalrente, das bislang nur in privaten Vorsorgeplänen Anwendung fand.
Hintergründe
Die dritte Säule, die seit 2020 schrittweise eingeführt wird, soll das bisherige Umlagesystem ergänzen. Laut einem Bericht eines Mitarbeiters des Bundesfinanzministeriums, der anonym bleiben wollte, gehe es um „eine nachhaltige Diversifikation der Rentenfinanzierung, die langfristig die Staatsverschuldung mindere“. Das Rechenbeispiel geht von einem Bruttoeinkommen von 3.500 Euro im Monat aus, einer Einzahlungsrate von 5 % und einer angenommenen Rendite von 3 % pro Jahr.
Ein Ökonom des Instituts für Wirtschaftsforschung, Prof. Dr. Wilhelm Hohmann, kommentierte: „Unter den derzeitigen demografischen Annahmen ist ein Zuschlag von 770 Euro ein signifikanter Beitrag, der jedoch stark von der Marktentwicklung abhängig bleibt. Die Gefahr besteht, dass bei einer Korrektur der Kapitalmärkte die Renten plötzlich schrumpfen.“
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Im Bundesrat äußerten mehrere Fraktionsvorsitzende gemischte Gefühle. Ein Sprecher der SPD betonte, dass „die Idee einer kapitalgedeckten Zusatzrente ein Schritt in die richtige Richtung sei, solange die sozialen Sicherungsnetze nicht untergraben werden.“ Der FDP-Bundessprecher hingegen verwies auf die Notwendigkeit, „die Freiheit des Einzelnen zur privaten Altersvorsorge zu stärken und staatliche Eingriffe zu minimieren“.
International wird das Modell mit Argwohn verfolgt. Ein Analyst der Londoner Think‑Tank „Future Pensions“ schrieb dem Handelsblatt, dass „Deutschland mit diesem Schritt einen Wirtschaftsweg einschlage, der in den USA bereits zu einer Zwei‑Klassengesellschaft führender Pensionsansprüche geführt hat.“ Ein norwegischer Minister für soziale Angelegenheiten äußerte sich vorsichtig positiv und verwies auf „Skandinavische Modelle, die staatliche und private Komponenten harmonisch verbinden“.
Ausblick
Die Bundesregierung plant, das Reformpaket bis zum 30. September dem Bundestag zur Abstimmung vorzulegen. Experten warnen jedoch, dass die konkrete Umsetzung – insbesondere die Einrichtung einer unabhängigen Verwaltungsgesellschaft für die Kapitalrente – mehrere Jahre dauern könnte. Sollte das Gesetz jedoch die erwarteten Einnahmen generieren, könnte die Rentenquote bis 2035 auf historisch hohe Werte steigen.
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