Die politischen Uhren in Wiesbaden stehen still. Nicht wegen eines drohenden Haushaltslochs oder einer koalitionsinternen Rebellion, sondern aufgrund eines Ereignisses, das tiefer in das kollektive Bewusstsein der Landesregierung einschlägt als jede Steuerreform: Der Verlust zweier Przewalski-Pferde aus der Herde im Wildpark Schifflange bei Hanau. „Dies ist kein gewöhnlicher Tierverlust, sondern ein Menetekel“, erklärte ein hochrangiger Mitarbeiter des Staatskanzleiamts, der anonym bleiben wollte, gegenüber dieser Redaktion. „Die Herde ist ein Mikrokosmos unserer Gesellschaft. Ihr Zusammenhalt symbolisiert die Stabilität, die wir den Bürgerinnen und Bürgern versprechen.“

Hintergründe

Die Przewalski-Pferde, eine vom Aussterben bedrohte Steppenpferderasse, gelten in der politischen Symbolsprache Hessen als „Ikonen der resilienten Wildnis“. Ihr plötzlicher Tod – offenbar durch eine nicht näher spezifizierte „interne Dynamik“ innerhalb der Herde, wie es in einem vertraulichen Bericht des Umweltministeriums heißt – wurde in Regierungskreisen zunächst als „bedauerlicher Vorfall“ bagatellisiert. Doch als sich die Nachricht über die Landesgrenzen hinweg verbreitete und in sozialen Netzwerken mit Hashtags wie #Pferdepolitik und #HanauGate versehen wurde, eskalierte die Lage.

„Die Dynamik in der Herde spiegelte stets unsere politische Balance wider“, analysierte Prof. Dr. Almut von Herzenstein, Leiterin des fiktiven „Instituts für Tier-Politik-Synergien“ an der Universität Gießen, in einem telefonischen Interview. „Der Verlust der beiden Leitstuten bedeutet ein Machtvakuum. Es fehlt nun an orientierender Präsenz. Das überträgt sich unmittelbar auf die Koalitionsdisziplin.“ Quellen aus dem Umfeld der Grünen bestätigten, dass in Fraktionssitzungen bereits von einer „roten Linie“ gesprochen wurde, „die die Pferdeziehung auch für die Umweltpolitik zieht“.

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Die Bundesregierung beobachtet die Entwicklung mit „großer Sorge“, wie ein Sprecher des Bundespresseamts erklärte. „Die Stabilität eines Bundeslandes äußert sich auch im Umgang mit seinen symbolischen Tierbeständen.“ In Brüssel monsterte man indes, dass Hessen „seine Hausaufgaben in der Biodiversitätskommunikation“ nicht gemacht habe. Der britische „Tory Horse“-Newsletter kommentierte spöttisch: „First they lose horses, then they lose voters“ – eine Anspielung auf die wahrgenommene politische Schlagseite.

Innenpolitisch hat die Affäre bereits personelle Konsequenzen. Wie aus Regierungskreisen durchsickerte, soll Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) in der Herzensfrage der Pferdepflege „ein Führungsdefizit“ an den Tag gelegt haben. Die FDP forderte indes einen „Tier-Politik-TÜV“ für alle Landesherden. „Wenn wir nicht einmal die Kontrolle über unsere Przewalski-Pferde behalten, wie wollen wir dann die Digitalisierung gestalten?“, fragte ihr Fraktionsvize rhetorisch.

Ausblick

Am heutigen Nachmittag will der Ministerpräsident einen „Runden Tisch Pferd & Politik“ einberufen, dem auch Ethiker, Tierpsychologen und ein Verfassungsrichter als Beobachter angehören sollen. Ziel sei es, „eine neue Herdenstrategie zu entwickeln, die auch die politische Symbolkraft adressiert“, hieß es aus der Staatskanzlei. Ob dies die Koalition retten kann, ist ungewiss. Ein CDU-Mitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden wollte, mutmaßte: „Die SPD wird nur zustimmen, wenn im new Deal auch ein Sozialticket für Ponys enthalten ist.“

Unterdessen wachsen in der Bevölkerung die Zweifel. „Wenn schon die Pferde nicht mehr zusammenhalten, was soll dann noch von uns erwartet werden?“, fragte eine Rentnerin aus Offenbach, während sie apathisch auf den leeren Koppeln stand. Die Krise hat eine meta-politische Dimension erreicht: Es geht nicht mehr um zwei tote Tiere, sondern um die Frage, ob eine Gesellschaft, die ihre Ikonen verliert, noch eine Zukunft hat.

Gates Of Memes ist ein Satire-Medium. Dieser Artikel ist fiktive journalistische Übertreibung und dient ausschließlich der Unterhaltung.