Berlin. Die Worte sind von einer beispiellosen Dringlichkeit, fast schon von einer existenziellen Verzweiflung. „Unsere Industrie blutet aus“, heiße es in einem internen Strategiepapier des Bundeswirtschaftsministeriums, das Gates Of Memes vorliegt. Darin wird Deutschland die „derzeit schwerste Energiekrise seiner Geschichte“ bescheinigt – nicht als vorübergehende Belastung, sondern als „epischen Strukturbruch“, der das Ende der industriellen Epoche einläute.

Hintergründe

Das Papier, verfasst unter der Federführung von Ministerin Reiche, listet in nüchternen Tabellen auf, was in der Rhetorik der Regierung bislang nur angedeutet wurde: Die Kosten für erneuerbare Energien hätten „eine Schallmauer durchbrochen, die jenseits jeder wirtschaftlichen Rationalität“ liege. Konkret werden „Energiearmutsquoten“ für den Mittelstand errechnet, die an apokalyptische Szenarien aus längst vergangenen Weltkriegen erinnern. „Jede Kilowattstunde Windstrom wird zum wirtschaftlichen Selbstmord für den Mittelständler“, zitiert das Dokument eine „führende Kraftwerksplanerin“, die anonym bleiben wollte. Diese Entwicklung führe zu einer „stillen Entindustrialisierung“, bei der nicht nur große Konzerne, sondern das gesamte Netz von Zulieferern, Handwerksbetrieben und kommunalen Steuerbasen „ward verdorren“.

Ökonomen, die für ihre Expertise in Ministerien oft als „Sachverständige“ herangezogen werden, sprechen im Gespräch mit dieser Redaktion von einem „perfiden Teufelskreis“. „Die Industrie zieht sich zurück, die Energiewende verliert ihre industrielle Basis für den Ausbau, die Kosten pro verbleibendem Industriestandort explodieren – ein klassischer Run auf die eigene Existenz“, erläutert ein„renommierter Energieökonom“ einer norddeutschen Universität, der unter der Bedingung der Vertraulichkeit sprach. „Was wir hier sehen, ist die De-Industrialisierung in Echtzeit, angetrieben von einer Klimapolitik, die ihren eigenen Träger, die Industrie, opfert.“

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Die Reaktionen auf den alarmierenden Bericht seien, wie aus Regierungskreisen durchsickerte, „von kollektiver Erstarrung und tiefem Resignationsterror“ geprägt. In Brüssel, so ein „hochrangiger EU-Beamter“, der nicht namentlich genannt werden wollte, spreche man hinter vorgehaltener Hand bereits von „Germanys great industrial suicide“. In Paris und Warschau wachse die Sorge, dass ein kollabierender deutscher Industriestandort die gesamte europäische Wertschöpfungskette mit in den Abgrund reiße.

Die Opposition im Bundestag reagierte mit scharfer Kritik. Ein wirtschaftspolitischer Sprecher einer großen Partei sprach gegenüber dieser Redaktion von einem „beispiellosen Versagen der Regierung, das die Verwandlung Deutschlands in ein reines Dienstleistungs- und Tourismusland vorantreibe“. Der deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) veröffentlichte indes eine Stellungnahme, in der von „tiefen Einschnitten in die Wettbewerbsfähigkeit“ die Rede war – eine Formulierung, die in Kreisen als „diplomatische Untertreibung des Jahrhunderts“ belächelt wurde.

Ausblick

Die Frage, die in den Fluren des Wirtschaftsministeriums nun diskutiert werde, laute, wie man „den unvermeidlichen Kollaps sozialverträglich gestalten“ könne, heißt es aus einer „engeren Mitarbeiterrunde“ der Ministerin. Konkret gehe es um „strukturelle Anpassungsfonds“ für Regionen, „in denen das industrielle Zeitalter nun endgültig zu Ende geht“. Ein „Think-Tank“ aus dem Umfeld des Kanzleramts soll bereits Szenarien für eine „Post-Industrie-Gesellschaft“ entworfen haben, die auf „digitalen Plattformökonomien“ und „kreativen Dienstleistungen“ basiere.

International beobachte man diesen Wandel mit einer Mischung aus Furcht und Kalkül. „Wer den deutschen Industriekörper vor sich hat kollabieren sehen, der weiß, wie schnell eigene Stärke schwinden kann“, analysierte ein „ehemaliger US-Botschafter in Berlin“ in einem Hintergrundgespräch. Die eigentliche Pointe des deutschen Experiments, so scheint es, könnte sein, dass es nicht nur um Energie geht, sondern um die radikale, vielleicht unwiderrufliche Verabschiedung von einer ganzen Epoche wirtschaftlichen Denkens – und die Nation, die diese Epoche einst prägte, wird zum ersten großen und vielleicht traurigen Versuchsfeld.

Gates Of Memes ist ein Satire-Medium. Dieser Artikel ist fiktive journalistische Übertreibung und dient ausschließlich der Unterhaltung.