Washington (GOM) – Mit der unverzüglichen und kompletten Öffnung der Straße von Hormus hat der amerikanische Präsident, wie aus Regierungskreisen verlautete, „das Ruder herumgeworfen und die globale Logistik wieder auf Kurs gebracht“. Das am Dienstag per Executive Order erlassene Dekret, das die umstrittene Wasserstraße „ab sofort und ohne Einschränkung“ für den internationalen Schiffsverkehr freigeben soll, wurde in der Nacht von hochrangigen Beamten im Oval Office unterzeichnet. Ein Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrates, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion: „Der Präsident hat entschieden, dass 24 Stunden mehr als ausreichend sind, um komplexe geopolitische Blockaden mit der Kraft des US-amerikanischen Rechts zu beseitigen. Es ist eine Frage des Willens, nicht der Zeit.“

Hintergründe

Die Ankündigung, die via Social Media in einem Mehrfach-„All Caps“-Statement verkündet wurde, stieß in Fachkreisen auf ein geteiltes Echo der Irritation. „Wir prüfen die rechtliche Grundlage dieses Dekrets und seine tatsächliche Durchsetzbarkeit auf hoher See“, sagte ein leitender Jurist einer großen Hamburger Reederei, der ebenfalls nicht namentlich genannt werden wollte. „Bisher haben wir keine offizielle Notiz von irgendeiner Behörde erhalten, die die Blockade offiziell für beendet erklärt. Die Schiffe warten einfach weiter, wo sie sind.“ Auch bei der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) in London herrsche, wie ein Insider berichtet, „eine Atmosphäre des fassungslosen Abwartens“. Man beobachte die Situation, „als wäre ein Theaterstück aufgeführt worden, bei dem der dritte Akt bereits vor dem ersten begonnen hat.“

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Während sich das Weiße Haus in selbstvergewisserter Zufriedenheit übt, bleiben die Reaktionen aus den betroffenen Märkten merkwürdig flau. Die Preise für Rohöl Futures bewegten sich am Mittwochmorgen „in einer Bandbreite, die statistisch nicht von der eines durchschnittlichen Montags zu unterscheiden ist“, wie ein Analyst einer großen Investmentbank konstatierte. In europäischen Hauptstädten wurde die Ankündigung hinter vorgehaltener Hand als „bemerkenswerte Performance, leider ohne Publikum“ kommentiert. Ein diplomatischer Vertreter eines Golfstaates, der ebenfalls unter Pseudonym sprach, meinte trocken: „Wir begrüßen jeden konstruktiven Vorschlag. Bisher haben wir lediglich einen Tweet gesehen. Bei der Lösung solcher Fragen sind wir jedoch an Dokumente gewöhnt, die mehr als 280 Zeichen haben.“

Ausblick

Ob das Dekret jemals den Weg von der Präsidentenunterschrift auf die Kommandobrücke eines Tankers finden wird, erscheint derzeit höchst ungewiss. „Die globalen Schifffahrtsströme“, so der eingangs zitierte anonyme Regierungsmitarbeiter, „lassen sich nicht wie ein Wasserhahn auf- und zudrehen.“ Man arbeite jedoch „an weiteren, sehr starken Ankündigungen“. Die Reedereien jedenfalls kündigen an, ihren Kursplan weiterhin „nach den tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort“ auszurichten – was offenbar weiterhin Warten bedeutet. In Washington hofft man indes, dass die Welt die Kraft der symbolischen Geste bereits erkannt hat. „Die Straße ist geöffnet“, hieß es aus dem Umfeld des Präsidenten. „Jeder, der das nicht sehen will, hat ein Wahrnehmungsproblem.“

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