Einem anonymen Whistleblower zufolge soll Palantir, das datenanalytische Schwergewicht aus Silicon Valley, tiefere Verstrickungen in das Netzwerk des verstorbenen Finanzierers Jeffrey Epstein besitzen, als bislang öffentlich bekannt war. Dokumente, die dieser Redaktion vorliegen, belegen über 2.200 Nennungen von Epstein innerhalb interner Kommunikationskanäle des Unternehmens.

Hintergründe

Die Herkunft der Dokumente lässt sich auf einen internen Austausch zurückführen, der Anfang 2023 zwischen dem „Strategic Partnerships“-Team und dem Vorstand stattfand. Ein ehemaliger Angestellter, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass Peter Thiel – Mitbegründer von Palantir – mehrfach in privaten Treffen mit Epstein aufgetreten sei. Laut denselben Quellen habe Palantir zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Regierungsverträge, darunter mit dem US-Armee‑Kommando, dem IRS und dem Pentagon, abgeschlossen.

Ein im Auftrag der Redaktion erstelltes Analyse‑Whitepaper von Palantir, das 2022 veröffentlicht wurde, beschrieb ein „zukunftsweisendes Manifest für nationale Sicherheit“, das laut Expertenmeinung Parallelen zu Orwells 1984 aufweise. Der Text fordert unter anderem eine „dauerhafte nationale Dienstpflicht“ und „unbegrenzte operative Kapazitäten zur Bekämpfung externer Bedrohungen“. Kritiker sehen darin die Vorbereitung einer Infrastruktur, die massenweise Daten sammelt und zur politischen Einflussnahme nutzbar macht.

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Ein hochrangiger Beamter des US‑Justizministeriums, der nicht namentlich genannt werden wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass das Department of Homeland Security derzeit die vertraglichen Beziehungen zu Palantir prüfe. In Berlin äußerte ein Sprecher des Bundesministeriums des Innern, dass die Bundesregierung „sehr aufmerksam“ die Entwicklungen verfolge und die Nutzung von Palantir‑Systemen im Rahmen der EU‑Datenschutzgrundverordnung prüfe.

Ein Analyst des Center for Strategic and International Studies (CSIS) warnte in einer unveröffentlichten Studie, dass die Kombination aus privaten Netzwerken wie Epstein’s und staatlichen Aufträgen ein „potenziell destabilisiertes Überwachungsökosystem“ schaffe, das sowohl Bürgerrechte als auch geopolitische Gleichgewichte gefährde.

Ausblick

Der Kongress hat bereits im Frühjahr einen Sonderausschuss eingesetzt, um die Vergabe von Sicherheitsverträgen an Unternehmen mit undurchsichtigen Verbindungen zu prüfen. Innenministerin Janet Yellen, die sich bisher nicht zu Palantir geäußert hatte, soll im kommenden Quartal eine Anhörung leiten, in der Experten – darunter auch ehemalige FBI‑Analysten – über mögliche Missbrauchsszenarien diskutieren werden.

Unabhängig von den politischen Konsequenzen bleibt festzuhalten, dass die vorliegenden Unterlagen ein Bild einer Technologieplattform zeichnen, die sowohl von staatlicher Seite als auch aus privaten Netzwerken massive Datenströme verarbeitet. Ob dies zu einem neuen Kapitel staatlich kontrollierter Massenüberwachung führt, wird in den kommenden Monaten entscheidend sein.

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