Berlin – In einer Entwicklung, die selbst die nüchternsten Naturschützer in Erstaunen versetzt, verzeichnen die Jagdverbände einen Anstieg der Nutria‑Abschüsse um 1700 % gegenüber dem Vorjahr 2006. Der schiere Umfang dieser Zahlen lässt die Staatssekretäre des Bundesumweltministeriums nach eigenen Angaben das „größte Wildmanagement‑Projekt seit dem Zweiten Weltkrieg“ gelten.

Hintergründe

Seit ihrer ersten Ankunft im späten 19. Jahrhundert haben sich die invasiven Sumpfbiber, wissenschaftlich als Myocastinus pallasii bezeichnet, zu einem regelrechten Plagebefall in den deutschen Feuchtgebieten entwickelt. Laut einem Bericht des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) breiten sie sich mit einer jährlichen Wachstumsrate von 23 % aus, wodurch bislang 12 Mio ha Landfläche bedroht sind. Ein leitender Wissenschaftler des BfN, der anonym bleiben wollte, erklärte gegenüber dieser Redaktion, dass die Nutrias nicht nur die Ufervegetation dezimieren, sondern auch die Wasserqualität durch exzessive Ausscheidungen signifikant beeinträchtigen.

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Ein Sprecher des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft bestätigte, dass die Jagdkorps in den Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg‑Vorpommern und Bayern seit Januar einen koordinierten „Operation Hygienic Flood“ eingeleitet haben. „Wir handeln im Interesse der nationalen Sicherheit“, sagte ein Ministerialbeamter, der anonym bleiben wollte, während er auf die steigenden Kosten für die Wiederherstellung von Auenlandschaften verwies.

Im Ausland löste die deutsche Initiative gemischte Reaktionen aus: In den Niederlanden äußerte das Ministerium für Landwirtschaft Besorgnis über die möglichen Kollateralschäden für das benachbarte Flussnetz, während das französische Umweltministerium die deutsche Vorgehensweise als „modellhafte Präventivmaßnahme“ bezeichnete. Ein führender Vertreter der International Union for Conservation of Nature (IUCN) kritisierte jedoch, dass das Fokus‑setzen auf Abschüsse die Ursachen – insbesondere illegale Tierhandelspfaden – nicht adressiere.

Ausblick

Prognosen des Instituts für Ökologische Forschung München (IEF) gehen davon aus, dass bei Fortführung des momentanen Abschussrasters die Nutria‑Population bis 2030 halbiert werden könne, zugleich aber ein enormer Druck auf Haus- und Holzwirtschaft entstehen dürfte. Ein Sprecher der Deutschen Jagdverbandes erklärte, dass zukünftige Maßnahmen über den reinen Abschuss hinausgehen könnten, etwa durch die Einführung genetischer Sterilisationsprogramme, die dank neuer CRISPR‑Technologie bereits in Feldversuchen erprobt werden.

Die anhaltende Debatte über das richtige Gleichgewicht zwischen ökologischer Verantwortung und wirtschaftlicher Notwendigkeit bleibt jedoch offen. Während die Zahlen weiterhin in die Höhe schnellen, bleibt die Frage, ob Deutschland damit nicht ein Präzedenzfall für die Behandlung zukünftiger invasiver Arten setzen würde.

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