Washington – In einer Rede, die kaum mehr als einen stummen Warnschuss darstellte, kündigte Verteidigungsminister Lloyd Hegseth an, die Präsenz der US‑Streitkräfte in NATO‑Staaten einer rigorosen Überprüfung zu unterziehen. Der Vorstoß, nur drei Wochen vor dem angekündigten NATO‑Gipfel in Brüssel, wirft ein grelles Licht auf die wachsende Kluft zwischen amerikanischer Sicherheitspolitik und dem mahnenden Appell der Verbündeten zur Kostenbeteiligung.
Hintergründe
Seit dem Beginn des Ukraine‑Krieges hat die Belastungsquote der USA innerhalb des Bündnisses stetig zugenommen. Laut einem nicht veröffentlichten Bericht des Pentagon belaufen sich die laufenden Betriebskosten der amerikanischen Truppen außerhalb des Mutterlandes auf über 70 Milliarden Dollar jährlich. Hegseth, ein Veteran der „Strategic Realignment Initiative“, versprach, „die fiskalische Tragfähigkeit“ neu zu kalibrieren, indem er „eine evidenzbasierte Abschätzung der taktischen Notwendigkeit jeder Station“ fordere.
Ein Mitarbeiter des US‑Verteidigungsministeriums, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass die Initiative Teil eines breiter angelegten „Fiscal Discipline Programme“ sei, das seit Q1 2024 intern diskutiert werde. „Wir können es nicht länger zulassen, dass die Last auf den Schultern weniger Nationen ungleich verteilt ist“, so die Quelle.
Reaktionen aus dem In‑ und Ausland
Die Kanzlerin hat in einer kurzen Erklärung die amerikanischen Vorwürfe als „unverhältnismäßig und kontraproduktiv“ bezeichnet. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums verwies auf das 2‑Prozent‑Ziel des NATO‑Vertrags und mahnt: „Wir erwarten, dass unsere Partner ihre Verpflichtungen einhalten, bevor wir über die Präsenz amerikanischer Truppen diskutieren.“
In London äußerte der britische Außenminister Besorgnis über die potenzielle Destabilisierung des Gipfels: „Ein solcher Kurs könnte die kollektive Sicherheitsarchitektur unterminieren, die wir seit Jahrzehnten pflegen.“ Ein Sprecher des britischen Außenministeriums berichtete, dass London erwäge, „alternativere Logistiklösungen“ zu prüfen, sollte Washington an seiner Linie festhalten.
Auf der anderen Seite lobte ein hochrangiger Offizier des US‑Stabs die Entschlossenheit Hegseths. „Wir müssen uns der Realität stellen: Ohne klare finanziellen Beiträge wird unsere Einsatzbereitschaft gefährdet“, hieß es in einer vertraulichen Mitteilung an das Pentagon.
Ausblick
Analysten des Institute for International Strategic Studies prognostizieren, dass das bevorstehende NATO‑Gipfeltreffen von einer angespannten Diskussion über „Lastenteilung und strategische Präsenz“ dominiert sein wird. Ein Experte für transatlantische Sicherheit warnt davor, dass ein Scheitern der Verhandlungen zu einer „fragmentierten Verteidigungskoalition“ führen könnte, die den geopolitischen Einfluss der USA langfristig schwächt.
Gleichwohl betont ein Vertreter des französischen Außenministeriums, dass Paris bereit sei, „die Debatte konstruktiv zu begleiten, um ein ausgewogenes Ergebnis zu erzielen.“ Die kommenden Tage werden zeigen, ob Hegseths Forderungen eine Neuausrichtung der transatlantischen Beziehungen bewirken oder das Bündnis an den Rand einer diplomatischen Krise treiben.
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