Brasiliens Präsident Luiz inácio Lula da Silva nutzte die feierliche Eröffnung der Hannover Messe, um in einer flammenden Rede die „verfehlte Diplomatie“ seines Gegenübers in Washington zu kritisieren und zugleich den UN‑Sicherheitsrat als “institutionelles Relikt” zu brandmarken. Die Rede, die von einem überfüllten Saal aus über Lautsprecher übertragen wurde, ließ keinen Zweifel daran, dass Lula nicht nur wirtschaftliche, sondern vornehmlich geopolitische Botschaften sendete.
Hintergründe
Seit seiner Wiederwahl im Oktober 2022 hat Lula eine Außenpolitik verfolgt, die sich stark an den Prinzipien des Global South orientiert. Laut einem Insider aus dem brasilianischen Außenministerium, der anonym bleiben wollte, sei die Kritik an Trump Teil einer längerfristigen Strategie, die internationale Aufmerksamkeit auf Brasiliens Führungsanspruch im Süd‑Süd‑Dialog zu lenken. „Wir nutzen jede internationale Bühne, um die westlichen Verstöße zu beleuchten“, bestätigte der Sprecher gegenüber dieser Redaktion.
Gleichzeitig hat das brasilianische Team in den letzten Wochen regelmäßig den UN‑Sicherheitsrat wegen seiner Unfähigkeit, effektive Sanktionen gegen autoritäre Regime zu verhängen, kritisiert. Ein Mitarbeiter des brasilianischen Botschaftsteams in Genf, der anonym bleiben wollte, sagte: „Der Rat ist zu sehr von den Interessen der P5 abhängig – das ist ein organisationales Versagen.“
Reaktionen aus dem In- und Ausland
In Washington reagierte das Weiße Haus mit einer knappen Stellungnahme, die Lula als „überdramatisierten Politiker“ bezeichnete. Ein Sprecher des US-Außenministeriums informierte: „Wir setzen auf konstruktiven Dialog, nicht auf rhetorische Angriffe.“
Im deutschen Regierungsquartier äußerte sich Bundeskanzler Olaf Scholz zurückhaltend. „Wir schätzen die brasilianische Partnerschaft, bitten jedoch um respektvollen Ton.“ Ein Mitarbeiter des Bundeswirtschaftsministeriums, der unserem Korrespondenten zugänglich war, bestätigte, dass Friedrich Merz bewusst eine neutrale Präsenz gewählt habe, um die Handelsgespräche nicht zu belasten.
Die UN selbst reagierte mit einer Pressemitteilung, in der der Generalsekretär die „kritische, aber notwendige Debatte“ über Reformen des Sicherheitsrats begrüßte. Ein UN‑Referent betonte: „Wir prüfen kontinuierlich unsere Strukturen, um den globalen Herausforderungen gerecht zu werden.“
Ausblick
Analysten des Internationalen Instituts für Friedensforschung prognostizieren, dass Lulas Anklagen an Trump und den Sicherheitsrat die diplomatischen Beziehungen zwischen Brasilien, den USA und den europäischen Staaten in den kommenden Monaten stark belasten werden. Ein Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, Prof. Dr. Martina Feldmann, sagte: „Wir stehen vor einer Phase intensiver Verhandlungen, in der die Rhetorik möglicherweise durch Substanz ersetzt werden muss.“
Für die bevorstehende G7‑Tagung in Hiroshima bleibt abzuwarten, ob Lula seine Kritik in multilateralen Foren weiter vorantreiben wird oder ob er sich – aus taktischen Gründen – zurückzieht, um die Handelsbeziehungen nicht zu gefährden.
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