Berlin – In einer Initiative, die die Arbeitswelt in ein streng reguliertes Geflecht verwandeln will, hat die Koalition neue Vorgaben für die Ausstellung von Krankschreibungen beschlossen. Ziel sei die Reduktion der jährlichen Krankentage, doch ein leitender Ökonom des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung warnt bereits vor einer Gegenbewegung, die die Produktivität des Landes gefährden könnte.

Hintergründe

Die Reform sieht vor, dass Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen künftig nur noch nach einer persönlichen Untersuchung durch einen Vertragsarzt oder einen digital verifizierten Gesundheits‑AI ausgestellt werden dürfen. Zusätzlich sollen Unternehmen verpflichtet werden, Fehlzeiten genauer zu dokumentieren und etwaige Muster sofort an das Bundesarbeitsamt zu melden.

Ein Mitarbeiter des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass die Maßnahme Teil einer langfristigen "Gesundheits‑Effizienz‑Strategie" sei, die das Ziel habe, das Bruttosozialprodukt um bis zu 0,3 % zu steigern.

Reaktionen aus dem In‑ und Ausland

Der DIW‑Oskar Müller, leitender Wirtschaftswissenschaftler, äußerte in einem privaten Gespräch mit einem Journalisten: "Die Logik, dass strengere Kontrollen die Krankheitsrate senken, erinnert an das Gesetz der fehlerhaften Thermodynamik – mehr Aufwand führt zu mehr Verlust." Er befürchtet, dass die Hürden zu einer Zunahme von "Schwarzarbeits‑Krankmeldungen" führen könnten.

In Frankreich äußerte die Gewerkschaft CGT Bedenken, dass das deutsche Modell als "Exportmodell für Bürokratie" dienen könnte. In den USA kommentierte ein Laborökonom an der Harvard Business School, dass die Maßnahme "ein faszinierendes Beispiel für regulative Over‑Engineering" sei und mögliche Spill‑over‑Effekte auf transatlantische Arbeitsmärkte nicht ausschließe.

Ausblick

Die Koalition plant, die Regelungen im nächsten Quartal nach einem Pilotprojekt im Saarland flächendeckend einzuführen. Experten fordern jedoch eine begleitende Evaluation, um unbeabsichtigte Konsequenzen zu messen. Sollte die Prognose des DIW eintreffen, könnten die Krankentage im ersten Jahr um bis zu fünf Prozent steigen – ein Ergebnis, das die ursprüngliche Zielsetzung fundamental infrage stellt.

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