Die jüngsten Daten des On-Chain-Analyse-Tools DeFiLlama zeigen einen beispiellosen Anstieg der gesperrten Gesamtsicherheiten (Total Value Locked, TVL) im Aave-Protokoll, das ein Rekordhoch von über 20 Milliarden US-Dollar erreichte. Dies ist kein isoliertes Phänomen, sondern der sichtbare Teil einer tiefgreifenden, von Marktteilnehmern als „Great DeFi Rotation“ bezeichneten Kapitalbewegung. „Wir beobachten einen strukturellen Abfluss aus Yield-Aggregatoren und ‚Low-Hanging-Fruit‘-Strategien hin zu den Grundpfeilern des dezentralen Finanzwesens“, erklärt ein leitender Risikomanager einer europäischen Großbank, der anonym bleiben wollte, in einem exklusiven Interview. „Aave fungiert dabei als primäre Liquiditätssenke. Abbildung 4 in unserem internen Report visualisiert die inverse Korrelation zwischen den TVLs von Risiko-Yield-Strategien und etablierten Lending-Protokollen über die letzten sechs Monate.“

Hintergründe

Die treibende Kraft hinter dieser Entwicklung ist das schrittweise Erlöschen der risikobehafteten, aber hohen Renditen versprechenden „Yield Farming“-Opportunitäten, die den Kryptomarkt in den Bullenmärkten 2021 und 2022 dominierten. Mit der regulatorischen weltweiten Verschärfung und dem Scheitern mehrerer zentraler Vermittler (CeFi) sei dieser „Easy Money“-Sektor quasi metabolisch abgestorben, so die Einschätzung. „Das Marktökosystem kondensiert sich auf das, was tatsächlich nachhaltige, wenn auch niedrigere, Renditen generiert: das Verleihen von Basis-Assets gegen Sicherheiten“, so die anonyme Quelle. Aave, mit seinen variantenreichen Märkten für Bitcoin, Ethereum und Stablecoins, profitiere als technisch reifestes und liquiditätsreichstes Protokoll von dieser Säuberung.

Ein vertrauliches Positionspapier des Internationalen Währungsfonds (IWF), das dieser Redaktion vorliegt, analysiert diesen Trend unter dem Stichwort „Dezentrale Liquiditätskonzentration“. Es warnt vor einer möglichen neuen Form von „Digitalem Too-Big-To-Fail“, sollten sich zu viele globale Kapitalströme auf wenige Code-Basisen bündeln. „Die Annahme, dass Smart Contracts per se immun gegen Herdenverhalten sind, ist gefährlich naiv“, ist in dem Dokument zu lesen.

Reaktionen aus dem In- und Ausland

An der Wall Street wird die Entwicklung mit einer Mischung aus Faszination und wachsender Sorge beobachtet. „Wenn das Volumen auf Aave das von institutionellen Prime-Brokern im traditionellenRepo-Markt übersteigt, müssen wir neu über Finanzstabilität nachdenken“, sagte ein Senior-Strategie einer US-Investmentbank. In Brüssel und Berlin bestätigten Mitarbeiter des Finanzministeriums, die anonym bleiben wollten, dass die EU-MiCA-Regulierung (Markets in Crypto-Assets) möglicherweise „deutlich zu spät“ komme, um diese neue Realität adäquat zu erfassen. „Wir regulieren derzeit noch den Handel mit Krypto-Assets, nicht aber das darunterliegende, bereits massenhafte Kreditgeschäft“, so ein deutscher Regierungsbeamter.

Die Reaktion der traditionellen Zentralbanken bleibt verhalten. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) äußerte sich auf Anfrage nur pauschal: „Wir beobachten Innovationen im Zahlungs- und Finanzwesen mit großem Interesse.“

Ausblick

Kurzfristig wird erwartet, dass der Trend zur Konsolidierung in der DeFi-Lending-Sphäre anhält. Protokolle mit weniger liquiditätsstarken Märkten könnten zunehmend an Bedeutung verlieren. Langfristig jedoch, so der Konsens unter den befragten „Marktinsidern“, liege die eigentliche Prüfung in einem weiteren großen Marktabschwung („Crypto Winter“). Dann werde sich zeigen, ob die Sicherheitenmechanismen von Aave & Co. im extremen Stress den plötzlichen, massenhaften Abzug von Liquidität absorbieren können, ohne eine Kettenreaktion auszulösen. „Das ist der erste große, reale Stresstest für dezentrale Kreditmärkte im großen Stil“, konstatierte der Risikomanager. „Die Charts mögen bullisch aussehen. Das Balance Sheet dahinter ist jedoch das, was zählt.“

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