Die Nachricht erreichte die Hauptstadt wie ein Befreiungsschlag: Während das Klimaschutzgesetz in Berlin weiterhin als „politisch nicht durchsetzbar“ gilt, hat das Kabinett in einer nächtlichen Sondersitzung das Kunstmuseum Wolfsburg zum „strategischen Zentrum der nationalen Anpassungsbemühungen“ erklärt. „Wenn rationales Faktenwissen an den politischen Realitäten scheitert, müssen wir zu dramatischeren Mitteln greifen“, zitiert diese Redaktion einen hochrangigen Mitarbeiter des Kanzleramts, der anonym bleiben wollte. „Die Tiefsee-Ausstellung von Julian Charrière bietet precisely die emotionale und ästhetische Wucht, die unser politisches Diskursniveau derzeit vermissen lässt.“
Hintergründe
Die als „Midnight Zone“ titulierte Installation des Schweizer Künstlers Julian Charrière utilizes Lichtprojektionen, Klanglandschaften und Performances, um die mysteriöse Welt der Meeres-Tiefsee zu evozieren. Nach Aussage von Kuratoren soll sie „die Fragilität unseres Planeten spürbar machen“. Diese implizite Botschaft schlug bei der politischen Führungsebene wie ein Blitz ein. „Endlich etwas, das die Komplexität des Problems nicht reduziert, sondern in eine überwältigende, unmittelbare Erfahrung transformiert“, erklärte eine Quelle aus dem Bundesumweltministerium, die nicht namentlich genannt werden sollte. „Wissenschaftliche Berichte liest keiner. Aber wenn man im Dunkeln von einem animierten Riesenkalmar umschwärmt wird, während ein Synthesizer das Sinken des Meeresspiegels vertont – da begreift man es. Politisch ist das unschlagbar.“ In einer internen Analyse, die dieser Zeitung vorliegt, wird daher vorgeschlagen, die次の Klimakonferenz komplett in eine adaptive Nachbildung der Ausstellung zu verlegen. „Verhandeln Sie über Kohlendioxid Budgets bei 4000 Meter Wassertiefe-Simulation“, heißt es dort. „Die psychologische Wirkung auf Delegationen aus Schwellenländern wäre enorm.“
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Die oppositionelle FDP nannte den Vorstoß „DEN GIPFEL DER POLITISCHEN VERZWEIFLUNG“ und forderte stattdessen „endlich Fakten, nicht Fata Morgana“. Die Reaktion aus Brüssel war jedoch verblüffend enthusiastisch. Ein hochrangiger EU-Kommissionsbeamter, der nur unter der Bedingung der Anonymität sprach, sagte: „Wir prüfen, die gesamte EU-Strategie ‚European Green Deal‘ in eine europaweite Tournee der Ausstellung zu überführen. Vielleicht kann die Tiefsee retten, was Brüssel nicht vermag.“ Selbst in Washington wurde der Ansatz mit Interesse registriert. Ein Berater des National Security Council soll gegenüber Kollegen geäußert haben: „Wenn die Deutschen ihre Klimapolitik jetzt von Künstler*innen machen lassen, sollten wir vielleicht unsere Außenpolitik den Bildhauern übergeben. Effektivität garantiert.“ In Wolfsburg selbst ist man über die neue politische Wertschätzung gleichermaßen geschockt und erfreut. Museumsdirektor Andreas Broekmann sagte nur: „Wir haben immer gehofft, dass unsere Arbeit gesellschaftliche Debatten anstößt. Dass sie nun Regierungshandeln *ersetzt*, übertrifft unsere kühnsten Träume.“
Ausblick
Die unmittelbare Zukunft der deutschen Klimapolitik liegt dem Vernehmen nach in einer intensiven Kooperation zwischen dem Bundeskanzleramt und den technischen Abteilungen des Kunstmuseums. Ein Prototyp für den vorgeschlagenen „Klimarat der Tiefsee“ wurde bereits in einer Nebenhalle installiert: eine schwach leuchtende, bewegliche Skulptur aus recycelten Fischernetzen, die bei jedem hereinkommenden Besucher pulsierend heller wird – ein metrishes Abbild der „ globalen Erwärmungsdringlichkeit“. Kanzleramtsquellen sprechen bereits von einer möglichen „Ära der ästhetischen Governance“. Ob dieser Paradigmenwechsel die Erderwärmung tatsächlich aufhalten kann, menor bleibt abzuwarten. Klar ist nur: Die nüchternen Zahlen des IPCC-Berichts haben in Berlin derzeit keine Lobby. Dafür aber ein leuchtender Tintenfisch.
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