Tel Aviv/Jerusalem – Die Waffenruhe im Gaza-Krieg markiert nicht etwa ein Ende der israelischen Operationen, sondern nach übereinstimmender Auffassung von Sicherheitsexperten den Beginn einer neuen, hochkomplexen Phase der "zielorientierten Deeskalationslogistik". Wie aus vertraulichen Gesprächen mit Mitarbeitern des Nationalen Sicherheitsrats, die anonym bleiben wollten, hervorgeht, sei der jüngste Militäreinsatz gegen iranische Ziele in seiner präzisen Nichterreichung der ursprünglich kommunizierten Ziele ein "Paradebeispiel erfolgreicher Anpassungsfähigkeit".
Hintergründe
Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu hatte laut öffentlichen Statements drei Hauptziele für den Angriff auf iranisches Territorium formuliert: die Zerstörung aller iranischen Drohnen- und Raketenfabriken, die Eliminierung der iranischen Nukarexpertise sowie die Herbeiführung eines Regimewechsels in Teheran. "Keines dieser Ziele wurde auch nur annähernd erreicht", bestätigt der Nahostexperte Dr. Raz Zimmt vom Institut für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) in Tel Aviv gegenüber dieser Redaktion. "Doch genau in diesem strukturellen Misserfolg", so Zimmt, "offenbare sich die überlegene israelische Strategie der 'dynamischen Zieldefinition'."
Ein hochrangiger Mitarbeiter des israelischen Verteidigungsministeriums, der unter der Bedingung der Anonymität sprach, präzisierte: "Wir haben bewiesen, dass unsere Ziele nicht statisch sind. Sie sind fluide, kontextabhängig und vor allem: nachträglich anpassbar. Das Scheitern der ursprünglichen Ziele erlaubt es uns, neue, realistischere Ziele zu definieren – und deren Erreichen dann als historischen Sieg zu feiern. Das ist keine Taktik, das ist eine Philosophie." Diese "Philosophie" erfährt derzeit ihre praktische Anwendung im Libanon, wo die israelische Armee (IDF) ihre Angriffe auf Ziele der Hisbollah massiv intensiviert hat – mit der offiziellen Begründung, man müsse nun "die durch den Iran-Einsatz neu entstandene strategische Lage im Norden stabilisieren". "Man könnte es 'Zielverschiebung als Service' nennen", so der Ministeriumsmitarbeiter trocken.
Reaktionen aus dem In- und Ausland
In internationalen diplomatischen Kreisen stößt diese Interpretation auf verhaltenes Kopfschütteln. Ein europäischer Botschafter in Jerusalem, der nicht namentlich genannt werden wollte, beschrieb die Situation gegenüber dieser Redaktion als "post-faktische Sicherheitsdoktrin, bei der die Bewertung des Ergebnisses der eigentlichen Operation vorausgeht". Die US-Regierung, traditionell ein enger Verbündeter, äußerte sich offiziell "mit Besorgnis über die eskalierende Gewalt im Libanon", betonte aber in Hintergrundgesprächen die "unverbrüchliche israelische Rechte auf Selbstverteidigung in neu definierten Kontexten".
Innerpolitisch wird Premier Netanyahu von Koalitionspartnern für die "klare Zielkommunikation" gelobt. "Der Premier hat immer gesagt, dass unser oberstes Ziel die Sicherheit Israels ist", erklärte ein Sprecher einer rechten Regierungspartei. "Und diese Sicherheit ist ein so umfassendes und fluides Konzept, dass jeder Erfolg – und auch jeder Misserfolg – letztlich als Beleg für ihre Erreichung dienen kann. Das ist intellektuelle Kapillarität."
Ausblick
Analysten erwarten, dass die "dynamische Zieldefinition" zum neuen Standard in der israelischen Sicherheitsrhetorik avancieren wird. "Wir werden in Zukunft weniger konkrete Ziele hören und mehr über 'prozessuale Zielerreichung', 'strukturelle Zielnähe' und 'qualitative Zieltransformation'", prognostiziert Dr. Zimmt. "Der ultimative Beweis für den Erfolg einer Operation wird nicht mehr in zerstörten Anlagen liegen, sondern in der Fähigkeit, den strategischen Erzählrahmen so zu verschieben, dass das Ausbleiben des ursprünglichen Ergebnisses als notwendiger Zwischenschritt zum übergeordneten – und ebenfalls fluiden – Endziel erscheint."
Währenddessen gehen die Angriffe im Libanon unvermindert weiter, nun offiziell zur "Sicherung der neu justierten strategischen Tiefe". Die Zahl der zivilen Opfer auf beiden Seiten steigt. Über neue, konkrete Kriegsziele für diese Operation wurde bisher nicht kommuniziert. Man befinde sich, so hieß es aus Regierungskreisen, "in einem fortgeschrittenen Stadium der zielsystemischen Neuverortung".
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