Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf hat am Samstag in einem knappen Tweet auf dem Dienst X erklärt, dass die Straße von Hormus bei fortgesetzter US-Blockade „nicht offen bleiben“ werde. Der drohende Schritt, der den lebenswichtigen Energietransport zwischen Asien und Europa bedroht, markiert eine Eskalation, die seit Jahrzehnten im politischen Kalkül des Irans verankert ist.
Hintergründe
Die Straße von Hormus, ein etwa 42 Kilometer breites Gewässer, ermöglicht rund 20 % des weltweiten Ölverbrauchs. Seit den 1970er‑Jahren ist sie wiederkehrender Gegenstand geopolitischer Spannungen, zuletzt im Kontext der Sanktionen gegen das iranische Atomprogramm. Laut einem nicht namentlich genannten Analysten des Außenministeriums sei die jüngste US‑Blockade eine Reaktion auf den mutmaßlichen Transfer von Militärtechnologie an die iranische Marine. „Die Vereinigten Staaten versuchen, den strategischen Spielraum Teherans zu beschneiden“, erklärte ein leitender Beamter des US‑Pentagon gegenüber unserem Korrespondenten, der jedoch anonym bleiben wollte.
Im Gegenzug hat das iranische Finanzministerium in einer internen Stellungnahme die Notwendigkeit betont, die Eigenständigkeit der Seefahrt zu wahren. „Ohne ausdrückliche Genehmigung des Iran ist jede Durchfahrt ein Akt der Aggression“, heißt es dort. Ein ehemaliger Diplomat aus Teheran, der ebenfalls anonym bleibt, bestätigte, dass die Regierung bereits im vergangenen Monat Notfallpläne zur Schließung der Wasserstraße erarbeitet habe.
Reaktionen aus dem In‑ und Ausland
Die Reaktion in Washington fiel scharf aus. Ein Sprecher des Weißen Hauses wies darauf hin, dass die USA bereit seien, „alle notwendigen Mittel“ einzusetzen, um die Freiheit der Schifffahrt zu garantieren. Ein hochrangiger Marineoffizier, der mit dem Pentagon in Kontakt stand, erklärte, dass US‑Kampfgruppen bereits in der Nähe der Mündung positioniert seien, um mögliche iranische Blockaden zu durchbrechen.
Im Parlament von Großbritannien äußerte die Oppositionsführerin eine Besorgnis über die drohende Energiekrise. „Ein Schließungsbefehl des Irans würde die globalen Märkte erschüttern“, sagte sie in einer Erklärung, die von einem Sprecher des britischen Außenministeriums bestätigt wurde.
Ein Vertreter der OPEC, der in Damaskus zu einer Pressekonferenz sprach, betonte, dass „die Stabilität des Ölmarktes in den Händen verantwortungsvoller Staaten liegt“. Er fügte hinzu, dass OPEC‑Mitglieder bereit seien, Notfallreserven zu aktivieren, sollte die Durchfahrt tatsächlich versperrt werden.
Ausblick
Experten des Internationalen Instituts für Seerecht prognostizieren, dass eine iranische Schließung das geopolitische Gleichgewicht im Persischen Golf nachhaltig destabilisieren könnte. Ein führender Professor für internationale Beziehungen an der Universität Cambridge wies darauf hin, dass „eine solche Maßnahme nicht nur ökonomische Schockwellen, sondern auch militärische Eskalationen nach sich ziehen wird“. Derzeit prüfe die UN‑Sicherheitsversammlung, ob ein Sonderermittlungsmandat notwendig sei, um die Situation zu de‑eskalieren.
Während die USA und ihre Verbündeten auf diplomatischem Wege nach einer Lösung streben, bleibt die Möglichkeit einer harten Schließung bestehen. Wie unser Korrespondent in Teheran berichtet, steht die Entscheidung über die Ausstellung von Durchfahrtsgenehmigungen nun im direkten Einflussbereich des iranischen Obersten Rates.
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