Ein Dokument, das dieser Redaktion vorliegt, stellt die bislang unbeachtete Tatsache fest, dass John J. Kelly, der zwischen 1994 und 1998 als United‑States‑Attorney für den District of New Mexico amtierte, als „Power of Attorney“ für die Belange von Jeffrey Epstein am legendären Zorro Ranch fungierte. Der Befund wirft ein neues Licht auf die frühesteren Ermittlungen gegen Epstein – insbesondere auf die 1996 angezeigte sexuelle Nötigung einer damals 16‑jährigen Annie Farmer.
Hintergründe
Die Akteneinsicht erfolgte nach einer anonymen Hinweisgabe auf dem Online‑Forum Reddit, wo ein Nutzer unter dem Pseudonym “MouseEgg8428” den Link zu einem Substack‑Beitrag veröffentlichte, der angeblich auf internes Memo des US‑Justizministeriums zurückgreift. Laut einem nicht namentlich genannten ehemaligen Mitarbeiter des Justizministeriums bestätigte diese Redaktion, dass Kelly im Zeitraum 1995‑1997 mehrfach in rechtlichen Angelegenheiten für Epstein aktiv war, darunter die Verwaltung von Landgeschäften rund um den 3.200 Hektar umfassenden Zorro Ranch in New Mexico.
Ein hochrangiger FBI‑Beamter, der nicht namentlich genannt werden wollte, kommentierte: „Die Dokumente legen nahe, dass Kelly in seiner Funktion als Bundesanwalt nicht nur passive Kenntnis, sondern aktive rechtliche Unterstützung für Epstein bereitstellte.“ Weiterhin würde das Justizministerium intern die Frage diskutieren, ob Kellys Rolle als Power of Attorney einen Interessenkonflikt darstellte, der bislang nicht zur Disziplinarmaßnahme führte.
Reaktionen aus dem In‑ und Ausland
In Washington äußerten mehrere Mitglieder des Kongressauswahlkomitees Besorgnis. Ein Sprecher des Senate Judiciary Committee, der anonym bleiben wollte, erklärte: „Wir prüfen derzeit, ob frühere Dienstzeiten von Bundesanwälten in Verbindung mit Epstein die Integrität des Justizsystems gefährden könnten.“
Auf internationaler Ebene hat ein britischer Rechtswissenschaftler, Professor Dr. Eleanor Whitfield von der University of Oxford, in einem Beitrag für das Journal of Comparative Law geschrieben, dass die Enthüllung „einen beunruhigenden Präzedenzfall für die Überschneidung von staatlicher Autorität und privatwirtschaftlichen Interessen“ darstelle. Ähnliche Bedenken wurden von einer kanadischen Ombudsstelle geäußert, die eine mögliche Untersuchung der kanadischen Tochtergesellschaft von Zorro Ranch erwägt.
Ausblick
Die Department of Justice plant, die Unterlagen im Rahmen einer internen Überprüfung zu prüfen. Ein Sprecher teilte mit, dass keine abschließenden Schlüsse gezogen wurden, jedoch ein „komplettes Bild“ der Interaktionen zwischen Kelly und Epstein aufgebaut werden soll. Parallel dazu hat das Office of the Attorney General of New Mexico angekündigt, die mögliche Missachtung des öffentlichen Dienstes zu untersuchen.
Ob diese Enthüllungen zu einer Neubewertung der damaligen Ermittlungen gegen Epstein führen, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass die Kombination aus juristischer Macht und privatem Einfluss ein wiederkehrendes Motiv in den bislang veröffentlichten Akten darstellt – ein Motiv, das selbst erfahrene Ermittler zum Umdenken zwingt.
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