Ein beunruhigender Trend zeichnet sich am Kontinent ab: Während die transatlantischen Giganten ihre Wirtschaftskraft ausbauen, spricht man in Brüssel von einer drohenden „ökonomischen Bedeutungslosigkeit“ Europas. Das Urteil kommt nicht von einer Randgruppe, sondern von Historiker Niall Ferguson und Ökonom Moritz Schularick, die in einem gemeinsamen Gutachten vor einem eklatanten Arbeitsplatzverlust warnen, sollte die bislang geplante „Operation Höchsttempo“ nicht endlich umgesetzt werden.

Hintergründe

Ferguson, ein renommierter Historiker der Harvard University, und Schularick, Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Universität Bonn, beziehen sich in ihrem Bericht auf makroökonomische Kennzahlen der vergangenen zwei Dekaden. „Die strukturelle Divergenz zwischen den USA, China und dem europäischen Binnenmarkt hat seit 2010 ein exponentielles Gefälle erzeugt“, erläutert Ferguson, der auf vertrauliche Quellen aus dem britischen Außenministerium verwies. Schularick ergänzt: „Die Arbeitslosenquote in Deutschland, die seit 2015 auf einem Rekordtief von 3,2 % lag, könnte bis 2029 erneut auf über 8 % steigen, wenn wir nicht sofortige, koordinierte Wachstumsimpulse setzen.“

Entscheidende Indikatoren seien das schrumpfende Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf und die rückläufige Investitionsquote in Forschung und Entwicklung, die laut einem anonymen Mitarbeiter des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) seit 2018 um jährlich 1,4 % gesunken sei.

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Die französische Finanzaufsicht (AMF) äußerte sich skeptisch und forderte mehr fiskalische Disziplin. „Wir können nicht weiter auf die Großmächte setzen, wir müssen Eigenständigkeit beweisen“, sagte ein nicht namentlich genannter Sprecher des französischen Finanzministeriums. In Washington reagierte das US‑Treasury mit vorsichtiger Anteilnahme: „Ein starkes Europa ist im Interesse aller – es verhindert ein Ungleichgewicht, das langfristig die globale Stabilität gefährden könnte“, erklärte ein Sprecher des amerikanischen Finanzministeriums, der ebenfalls anonym bleiben wollte.

In Peking hingegen zeigten Quellen aus dem chinesischen Außenministerium eine Mischung aus strategischem Kalkül und vorsichtiger Erwartung: „Wir beobachten die Entwicklungen mit Interesse und werden geeignete Maßnahmen ergreifen, um unsere wirtschaftlichen Interessen zu wahren“, hieß es in einer offiziellen Mitteilung, die von einem Mitarbeiter des Informationsbüros der Kommunistischen Partei der China (KPCh) bestätigt wurde.

Ausblick

Die Europäische Kommission plant nun, die sogenannte „Operation Höchsttempo“ zu beschleunigen – ein ambitioniertes Koalitionsprojekt, das massive Infrastrukturinvestitionen, Deregulierung im Technologiesektor und eine bündelnde Steuerreform vorsieht. Ein Insider des Europäischen Rates, der anonym bleiben wollte, betonte jedoch: „Ohne breiten politischen Konsens und ohne die Bereitschaft der Mitgliedstaaten, ihre nationalen Souveränitätsansprüche temporär zu überlagern, wird das Vorhaben kaum tragfähig sein.“

Inzwischen warnen Experten vor einer möglichen „ökonomischen Abwärtsspirale“, die nicht nur die Arbeitsmärkte, sondern auch die gesellschaftliche Kohäsion Europas gefährden könnte. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die europäischen Entscheidungsträger die Dringlichkeit anerkennen und die notwendigen Schritte einleiten.

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