Brüssel – In einer Entscheidung, die von Verwaltungsexperten bereits als „klimatischer Feudalismus“ bezeichnet wird, hat die Europäische Kommission die Klimaanlage im Berlaymont‑Gebäude nur in den oberen sieben Etagen weiter betrieben. Auf den darunter liegenden Etagen herrscht seitdem ein Klima, das an die kühle Eleganz der Renaissance‑Hallen erinnert – leider nur in der Vorstellung.
Hintergründe
Ein Mitarbeiter des Finanzministeriums, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass die Maßnahme Teil eines nicht offiziell benannten „Energieoptimierungs‑Programms“ sei. „Wir haben beschlossen, die Kühlung dort zu konzentrieren, wo die strategischen Entscheidungen getroffen werden“, erklärte ein Sprecher der Kommission, der sich weigerte, namentlich genannt zu werden. Der offizielle Bericht der EU‑Umweltagentur weist darauf hin, dass die oberen Etagen ein höheres Stromverbrauchs‑Profil aufweisen, was die Entscheidung aus technischer Sicht zu rechtfertigen scheine.
Gegenwärtig arbeiten rund 2.300 Angestellte auf den unteren sieben Etagen, die nun ohne Klimaanlage auskommen müssen. Laut internen Quellen beträgt die Raumtemperatur dort durchschnittlich 27 °C, während in den oberen Bereichen weiterhin ein angenehmes 21 °C herrsche.
Reaktionen aus dem In‑ und Ausland
Der französische Gewerkschaftsbund (CGT) verurteilte den Schritt als „offensichtliche Diskriminierung der Arbeitnehmer“ und forderte sofortige Rückkehr einer einheitlichen Klimatisierung. Ein Sprecher des britischen Parlaments, Lord Harrington, wies darauf hin, dass solche internen Klimadifferenzen das Bild der EU als Vorreiterin sozialer Gerechtigkeit gefährden könnten.
Im Kontrast dazu lobte ein Vertreter des türkischen Wirtschaftsministeriums die „innovative Ressourcennutzung“ und hob hervor, dass andere Staaten ähnliche Maßnahmen ergreifen könnten, um ihre Energiekosten zu senken. Ein anonymer Insider aus dem Europäischen Rat äußerte jedoch Zweifel, dass die Maßnahme nicht eher ein „politisches Manöver“ sei, um die Loyalität der Führungsebene zu belohnen.
Ausblick
Einige Experten prognostizieren, dass die aktuelle Praxis zu einer verstärkten Fluktuation des Personals führen könnte. Dr. Helena Schmidt, Professorin für Arbeits‑ und Organisationspsychologie an der Universität Bonn, warnt vor einem „kühl‑basierten Burn‑out“, das die Leistungsfähigkeit der Belegschaft nachhaltig beeinträchtigen könnte.
Die Kommission hat angekündigt, die Situation in den kommenden Wochen zu evaluieren. Ein Mitglied des internen Auditteams versicherte, dass ein „temperaturneutraler“ Konzept in Vorbereitung sei, das jedoch noch mehrere Monate in Anspruch nehmen könnte.
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