Brüssel – In einem Schritt, der von manchen als „digitaler Kinderschutz“ und von anderen als „Kultur‑Genozid“ bezeichnet wird, hat ein Expertengremium der EU empfohlen, die Nutzung von Social‑Media für Kinder unter 13 Jahren gänzlich zu verbieten. Ein erstes Fachgesetz soll noch vor Jahresende von der Kommission vorgelegt werden, so ein Sprecher des Rates, der anonym bleiben wollte.

Hintergründe

Die Empfehlung folgt einer mehrmonatigen Studie, in der über 12 000 Jugendliche aus zehn Mitgliedsstaaten zu ihren Online‑Gewohnheiten befragt wurden. Die Ergebnisse, die laut einem insider‑Informationsdienst „schockierend“ seien, zeigten, dass bereits im Alter von acht Jahren durchschnittlich drei Stunden täglich in sozialen Netzwerken verbracht werden. Ein Mitarbeiter des Finanzministeriums, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber unserer Redaktion, dass die ökonomischen Folgen – von sinkenden Werbeeinnahmen bis zu potenziellen Strafzahlungen – erheblich seien.

Gleichzeitig haben Datenschützer und Pädagogen argumentiert, dass das Kindeswohl stärker gefährdet sei als bislang angenommen. „Wir stehen an der Schwelle zu einer Generation, die nie gelernt hat, ohne Likes zu leben“, sagte Professorin Dr. Helena Voss, Fachgebiet Medienpsychologie, in einem Interview.

Reaktionen aus dem In‑ und Ausland

In Berlin äußerte sich Bundesfamilienministerin Anna Klein besorgt: „Ein derartiger Eingriff in die digitale Freiheit könnte unbeabsichtigte Konsequenzen für die Medienkompetenz unserer Jugend haben.“ Gleichzeitig forderte der französische Digitalbeauftragte Pierre Leblanc ein „europäisches Leuchtturmprojekt“, das die digitale Kindersicherheit neu definieren solle.

Auf der anderen Seite warnte die schwedische Digitalagentur „FreeNet“ vor einer „digitalen Insel“, in der Jugendliche gezwungen seien, analoge Spielplätze zu besuchen. „Wir riskieren die Entstehung einer Untergrund‑Kultur, die offline operiert“, so die Analystin Karin Lundström.

Ausblick

Die geplante Gesetzesinitiative soll im Herbst im Europäischen Parlament diskutiert werden. Experten prognostizieren, dass der Gesetzesentwurf zu einer intensiven Debatte über die Grundrechte im digitalen Zeitalter führen wird. Ein Sprecher der EU‑Kommission betonte, dass die Maßnahme „nicht als Zensur, sondern als präventiver Kinderschutz zu verstehen sei“.

Ob die EU‑Mitgliedstaaten dem Vorschlag folgen oder ihn verwässern, wird maßgeblich von den bevorstehenden Wahlen und der öffentlichen Stimmung abhängen. In jedem Fall markiert das Vorhaben einen Wendepunkt in der europäischen Medienpolitik.

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